Ein Puppenbett selber bauen aus Holz

Manchmal sind es die Zufälle im Alltag, die den entscheidenden Anstoß für ein neues Bauprojekt geben. Bei einer Radltour durch die Nachbarschaft ist Elisabeth kürzlich ein kleiner Puppenschrank aufgefallen, der vor einer Gartentür zum Verschenken abgestellt war. Das gute Stück bestand aus massivem Fichtenholz und war komplett unbehandelt. Wir sind zwar im ersten Moment weitergefahren, aber der Keimling war bereits gesetzt. Am nächsten Tag stand der Schrank bei mir auf dem Tisch, verbunden mit der Bitte, ihn doch ein wenig aufzuarbeiten, kleine Füße darunter zu setzen und die Konstruktion ganz allgemein einmal durchzusehen, damit er wieder in vollem Glanz erstrahlt.

Wenig später kam dann noch die Frage, ob ich nicht vielleicht ein passendes Puppenbett dazu bauen könnte. Denn wenn die Lieblingspuppe meiner Enkelin Alva schon einen eigenen, frisch aufgemöbelten Schrank besitzt, dann darf ein anständiges Bettchen zum Schlafen natürlich auf keinen Fall fehlen. Ein paar Tage reifte der Gedanke in meinem Kopf, bevor ich mich an den Schreibtisch setzte, um eine erste Skizze zu erstellen. In diesem Beitrag möchte ich zeigen, wie Du ein solches Puppenbett selber bauen kannst, worauf Du beim Material achten solltest und wie kleine Details das fertige Werkstück enorm aufwerten.

Die Planung: Maße, Proportionen und clevere Aufbewahrung

Passend zum Schrank sollte das Bett natürlich ebenfalls primär aus Fichte bestehen, damit die Optik im Kinderzimmer harmonisch bleibt. Wobei ich mich recht schnell dazu entschieden habe, die breiten „Bretter“ für die Kopf-, Fuß- und Seitenteile aus Multiplexresten herzustellen. Der Grund dafür ist pragmatisch: Mein großer Abricht- und Dickenhobel steht in meiner Werkstatt in Rumänien. Da ich den „Auftrag“ für das Bettchen aber gerne zügig hier vor Ort abarbeiten wollte und das Material sofort brauchte, bot sich die Restekiste förmlich an. Multiplex ist extrem stabil, verzieht sich nicht und lässt sich hervorragend bearbeiten.

Mein erstes Puppenbett also. Womit fängt man an? Die Größe und das Format bilden bei jedem Möbelbau die absolute Basis. Ich kenne die Lieblingspuppe meiner Enkelin; sie ist nicht allzu groß. Andererseits soll das Bett aber zumindest relativ zur Größe des Schrankes passen und nicht wie ein Fremdkörper wirken. Da kam mir bei der Betrachtung der beiden Möbel eine Idee: Es wäre doch toll, wenn man das Bett bei Nichtgebrauch hochkant in den Schrank stellen könnte. So lässt es sich super aufräumen, alles ist an einem Ort und es nimmt im Kinderzimmer weniger Platz weg, wenn gerade nicht damit gespielt wird.

Also habe ich mir den Schrank noch einmal genau angeschaut und vermessen. Er ist im Inneren in zwei Bereiche aufgeteilt: Links befindet sich ein Regalbereich mit Einlegeböden, rechts ist eine durchgehende Kleiderstange angebracht. Genau in diesen rechten Bereich würde das Bett hochkant wunderbar hineinpassen. Damit waren die Maximalmaße des Projekts klar definiert. Das Bett darf maximal so lang sein, dass man es hochkant in den Schrank stellen kann, maximal so breit wie der Kleiderstangenbereich und maximal so tief, dass sich die Schranktür am Ende noch problemlos schließen lässt.

Normalerweise ist ein klassisches Puppenbett zweimal so lang wie breit – das ist ein traditionelles Maß, das ich mal irgendwo aufgeschnappt habe. Die Schrankinnenhöhe passt ganz gut zur Breite des Bereiches, also war dieses Maß schon einmal fix. Die Tiefe des Schrankes – beziehungsweise die Höhe des Kopfbrettes – ist Geschmackssache und bot mir Spielraum. Ich habe mir gedacht, wenn das Kopfende möglichst hoch ist, dann steht das Bett später auch stabil im Schrank, wenn man es hochkant lagert. Ein einfacher, flacher Rahmen, wie bei den meisten aktuellen und modernen Betten, kam für mich ohnehin nicht in Frage, da es stilistisch nicht zum Schrank gepasst hätte.

Mein Tipp für die Konstruktionsplanung: Wenn Du Möbel oder Spielzeug für Kinder baust, versuche immer, eine clevere Verstauungsmöglichkeit oder eine Mehrfachnutzung mitzudenken. Das spart nicht nur Platz, sondern macht auch das abendliche Aufräumen für die Kinder deutlich attraktiver und einfacher.

Das Design: Inspiration aus der Tradition und Metallfreiheit

Letztendlich hat die Erinnerung an ein altes Bauernbett den entscheidenden Impuls für das Design gegeben. Ich nahm mir vor, das Kopf- und Fußteil an der Oberkante abzurunden, um etwas mehr geometrische und weiche Formen ins Spiel zu bringen. Dass ich die Bettpfosten oben ebenfalls irgendwie verändern und verzieren werde, war von vornherein klar. Gerade bei Spielzeug aus Holz werten solche kleinen, handwerklichen Details das Gesamtbild enorm auf und unterscheiden ein selbstgebautes Möbelstück von massenproduzierter Plastikware.

Ein zweiter – für mich sehr wichtiger – Punkt bei der Konstruktion: Ich will Metall bei diesem Projekt komplett vermeiden. Keine Schrauben, keine Nägel, keine versteckten Winkel. Das schränkt die Verbindungsmöglichkeiten im Holzbau natürlich ein ganzes Stück ein und erfordert etwas mehr handwerkliche Präzision. Letztendlich habe ich mich für klassische Leimverbindungen entschieden. Damit diese Verbindungen den teilweise rauhen Spielalltag eines Kleinkindes auch überstehen und wirklich stabil sind, habe ich geplant, die Bretter in die Bettpfosten einzunuten. Eine eingenutete Holzverbindung bietet extrem viel Leimfläche und eine mechanische Stabilität, die eine einfache stumpfe Verleimung niemals erreichen könnte.

Die meisten Puppenbetten, die man im Handel so sieht, haben als Matratzenauflage einfach eine durchgehende, dünne Sperrholzplatte. Das wird vermutlich gemacht, um die Stabilität des Rahmens bei geringem Material- und Arbeits-Einsatz zu erhöhen, vielleicht auch als simpler Verletzungsschutz. Ich bin da allerdings in der Werkstatt eher detailverliebt und möchte einen Lattenrost nachbilden. Also führte mich mein Weg erst einmal in den Baumarkt, um zu sehen, was das Leistensortiment für mein Vorhaben so hergibt.

Die Material- und Werkzeugliste

Für den Bau benötigst Du nicht viel, aber das richtige Material. Hier ist meine finale Einkaufs- und Resteliste für dieses Projekt:

  • Fichtenleiste 20 x 20 mm (1 Stück für die vier massiven Bettpfosten)
  • Fichtenleiste 12 x 12 mm (1 Stück für die seitlichen Auflageleisten des Lattenrosts)
  • Fichtenleisten 15 x 5 mm (3 Stück, für die eigentlichen Latten des Rosts)
  • Rundstab aus Holz, 5 mm Durchmesser (für die Verdübelung des Rosts)
  • Multiplexreste, 9 mm stark (für die langen Seitenteile sowie das Kopf- und Fußbrett)
  • Fischleim (ökologisch, ungiftig und mit einer wunderbar langen offenen Zeit)
  • Sekundenkleber (als temporäre Montagehilfe, unersetzlich für kleine Teile)
  • Etwas hochwertiger Schaumstoff für die Matratze

An Werkzeugen solltest Du folgendes bereithalten, um alle Schritte präzise ausführen zu können:

  • Tischkreissäge oder eine gute Japansäge für die maßgenauen Zuschnitte
  • Oberfräse mit einem 6 mm Nutfräser, einem 9-Grad-Fasenfräser und einem 2 mm Abrundfräser
  • Kreisschneidevorrichtung für die Oberfräse (kann man sich leicht selbst bauen)
  • Bohrmaschine oder Akkuschrauber mit einem scharfen 5 mm Holzbohrer
  • Stechbeitel (5 mm breit, frisch geschärft)
  • Schleifklotz und hochwertiges Schleifpapier (Körnung 80, 120, 180 und 240)
  • Mehrere Schraubzwingen (ausreichend viele, um den Bettrahmen gleichmäßig zu pressen)
  • Ein exakter Anschlagwinkel und ein Maßband

Schritt 1: Die perfekten Rundungen für Kopf- und Fußteil fräsen

Zuerst habe ich mit ein paar Bleistiftskizzen versucht, die Höhe von Kopf- und Fußteil, die Höhe der Seitenteile und die Länge der „Füße“ in eine ästhetische Ansicht zu bekommen. Letztendlich sind die eigentlichen Standfüße unter dem Rahmen 30 mm hoch geworden. Die Höhe der Seitenbretter sollte natürlich abhängig von der Höhe der Matratze sein, abzüglich des Platzes für den Lattenrost und die darunterliegende Auflageleiste. Ein Maß von 60 mm schien mir hier optisch und praktisch optimal. Weil ich die Köpfe der Pfosten noch irgendwie verzieren wollte, habe ich die Leistenstärke (20 mm) als Überstand nach oben festgelegt und hatte somit die Gesamthöhe des Kopf- und Fußbrettes ermittelt.

Weil es sehr schwierig ist, eine gefräste Rundung bis exakt an die scharfen Außenkanten zu führen und diese Enden dann sauber und ohne Spalt in die Pfosten einzunuten, habe ich mir überlegt, die Rundung nicht bis ganz nach außen zu ziehen. Ich wollte eine sanfte Erhöhung um 20 mm in der Mitte des Brettes – also einen Bogen, der in der Spitze so hoch ist wie die äußeren, geraden Bettpfosten. Daraus ergab sich rechnerisch ein Fräsradius von exakt 212,5 mm. Für meine Oberfräse habe ich mir vor längerer Zeit mal einen Kreisfräser gebaut, mit dem ich solche großen Radien locker und präzise abgebildet bekomme.

Der Radius ist mit 212,5 mm natürlich deutlich größer als die 90 mm beziehungsweise 125 mm Höhe von Kopf- und Fußbrett. Nachdem ich aber sowieso Teile aus der Restekiste genommen habe, war das erstmal zweitrangig. Wichtig ist bei dieser Frästechnik nur, dass Deine Reste eine Mindesthöhe von etwa 22 bis 23 cm aufweisen, damit der Zirkel-Einstichpunkt noch sicher auf dem Material liegt und nicht ins Leere greifst.

Ich habe mir zwei passende Multiplex-Reste herausgesucht und als erstes auf die endgültige Breite von 196 mm zurechtgeschnitten. Dann habe ich am unteren Rand die Mitte ausgemessen und 1 cm vom unteren Rand entfernt eine 5 mm-Bohrung gesetzt. So groß ist der Dorn meiner Kreisschneidevorrichtung. Diese habe ich dann auf die 212 mm Radius eingestellt und mit dem Fräser leicht den gewünschten Bogen auf dem Holz angekratzt. Dort, wo dieser angeritzte Kreisbogen den seitlichen Rand berührt, habe ich einen senkrechten Strich, exakt 15 mm parallel zur seitlichen Kante, gezeichnet – auf beiden Seiten des Brettes.

Dann habe ich in mehreren Durchgängen den Kreisbogen ausgefräst. Dabei habe ich links und rechts nur bis zu meinem senkrechten Strich gefräst. Das Ganze habe ich bei beiden Brettern (Kopf und Fuß) gemacht. Nun habe ich mit dem Anschlagwinkel den Punkt, an dem sich der gefräste Kreisbogen mit der senkrechten Linie trifft, nach außen hin verlängert und mit der Japansäge das obere, horizontale Ende beider Bretter per Hand fertiggestellt. Wichtig ist hier, dass beide äußeren Auflagen auf exakt derselben Höhe sind. Wenn das mit dem Fräsen nicht gleichmäßig geklappt hat, dann nimm einfach die tiefere Seite als Referenz und passe die andere Seitemit dem Schleifklotz an. Die obere Seite ist nun in Form, aber beide Teile sind jetzt nach unten hin noch zu lang. Ich lege sie trotzdem erstmal zur Seite, der finale Zuschnitt in der Höhe erfolgt erst, wenn die Nuten in den Pfosten fertig sind.

Schritt 2: Passgenaue Nuten in die Bettpfosten fräsen

Als Nächstes bringe ich die vier Bettpfosten auf die richtige Länge und fräse die Nuten hinein, die später die Bretter aufnehmen. Ich habe einen 6 mm-Nutfräser in die Oberfräse eingespannt. Da das Multiplex 9 mm stark ist, muss ich die Nut in mindestens zwei seitlich versetzten Durchgängen fräsen. Als Frästiefe in das Holz habe ich 6 mm gewählt. Würde ich tiefer ins Holz gehen, würden die Seitenteile im Inneren des schmalen 20×20 mm Pfostens mit dem Kopf- und Fußteil kollidieren, da sich die eingebrachten Nuten überschneiden.

Rechnen wir kurz durch: Die Pfosten haben 20 mm Stärke, die Multiplexplatten 9 mm. Bleiben 11 mm Material am Pfosten stehen. Also habe ich den Fräsanschlag ca. 5,5 mm von der Außenschneide des Fräsers entfernt befestigt. An diesem Anschlag wiederum habe ich links und rechts kleine Holzklötze als Stopp-Anschlag mit Zwingen befestigt, damit ich mit der Maschine nicht zu weit fräse Dann habe ich den Pfosten jeweils an den rechten Anschlag und den Fräsanschlag gedrückt und langsam und kontrolliert in den rotierenden Fräser eintauchen lassen. Danach habe ich das Werkstück bis zum linken Anschlag gezogen und den Pfosten wieder senkrecht nach oben herausgenommen. Zwei Fräsungen (an zwei benachbarten Seiten für eine Ecke) kann man so in der Regel machen, dann muss man das Setup umbauen.

Mein Tipp für fehlerfreies Fräsen: Um bei den vier Pfosten und den verschiedenen Ausrichtungen nicht durcheinander zu kommen, habe ich jeweils auf der Seite, die beim Fräsen nach oben zeigt, eine Zahl mit Bleistift draufgeschrieben. Zum Beispiel bei der Nut für das Seitenbrett eine „1“ und bei der für das Kopf- bzw. Fußbrett eine „2“. Damit kommt man beim Einlegen nicht durcheinander und fräst auch garantiert nicht im Gegenlauf in die falsche Richtung.

Ganz wichtig wird diese Bleistift-Markierung beim zweiten Durchgang, wenn man die endgültige Nutbreite fräst. Wenn man die Zahl beim Einlegen normal lesen kann (sie also nicht auf dem Kopf steht), dann hat man die exakt selbe Fräsrichtung wie zuvor. Ich habe beim Umstellen erst einmal den Fräsanschlag so gelassen und nur die Stoppklötze für die unterschiedlichen Brettlängen verändert. Auch hier macht es Sinn, sich einen kleinen Bleistiftstrich auf den Fräsanschlag zu machen und eine kurze Info dazuzuschreiben, welche der Fräsungen das gerade ist. Dann muss man das für den zweiten Durchgang nicht mühsam neu einmessen. Anschließend setze ich den Fräsanschlag um 3 mm zurück und wiederhole alle Fräsungen ein zweites Mal, um exakt die 9 mm Nutbreite für das Multiplex zu erreichen.

Nachdem die Nuten sauber gefräst sind, kommt Handarbeit ins Spiel: Ich nehme einen  5 mm Stechbeitel und mache die runden Enden der gefrästen Nut eckig. Man könnte theoretisch auch die Ecken der Bretter abrunden, aber es gibt ja im Pfosten auch noch eine weitere Materialspitze im Eckbereich, die sowieso mit dem Beitel entfernt werden muss, damit die eingesteckten Bretter passen.

Erst jetzt, wo die Nuten endgültig fertig und ausgestemmt sind, schneide ich die Multiplexteile für Kopf-, Fuß- und Seitenteile auf die endgültige Höhe ab. Wenn man sich beim Fräsen der Nuten um einen Millimeter vermessen hat, kann man das jetzt am Brett noch problemlos anpassen – dann werden die Teile am Ende halt ein, zwei Millimeter höher oder niedriger. Bei mir hat alles auf Anhieb gepasst. Ich schneide die Multiplexplatten dennoch mit einem ganz minimalen Übermaß zu und passe sie dann mit dem Schleifklotz in Handarbeit immer wieder an, bis sie wirklich saugend und ohne Wackeln in die Nut rutschen.

Schritt 3: Verzierungen, Holzschliff und die finale Montage

So weit, so gut. Vor dem finalen Schleifen und dem dauerhaften Verleimen habe ich mich um die sichtbaren Pfostenenden gekümmert, um dem Bett den traditionellen, handwerklichen Look zu geben. Mit einem 90-Grad-Fräser habe ich ringsum eine Kerbe eingefräst. Dabei habe ich die vier Hölzer und ein zusätzliches Opferholz gegen lästige Ausrisse fest mit einer Zwinge zu einem Block zusammengespannt und gemeinsam über den Frästisch geführt. Dann habe ich die einzelnen Leisten jeweils um 90 Grad gekippt, wieder zusammengespannt und erneut gefräst. Das Gleiche habe ich danach noch einmal mit einem Abrundfräser für die obere Kante gemacht. Den Rest der weichen Formgebung an den Pfostenköpfen habe ich ganz klassisch von Hand mit dem Schleifklotz und 120er Papier herausgearbeitet.

Ein wichtiger Aspekt bei Kinderspielzeug ist die Sicherheit: Es darf keine scharfen Kanten geben. Die Oberseiten der harten Multiplex-Teile habe ich deshalb mit einem 2 mm Abrundfräser ebenfalls noch etwas gebrochen. Dabei musst Du unbedingt darauf achten, nicht bis ganz nach außen an die Kante zu fräsen, da die Nut im Pfosten ja nun eckig ist und andernfalls unschöne Lücken und Hohlräume entstehen würden. Danach wird alles verschliffen. Ich arbeite mich hier von Körnung 120 und 180 bis hin zu Körnung 240 hoch, damit das Fichtenholz absolut seidenweich wird und sich später niemand einen Splitter holt.

Nun geht es ans Eingemachte, das Verleimen: Ich verbinde erst das Kopfteil mit seinen beiden Pfosten, dann separat das Fußteil, und schlussendlich setze ich den ganzen Bettrahmen mit den langen Seitenteilen zusammen. Ich verwende hierfür gerne Fischleim. Der ist nicht nur völlig ökologisch und ungiftig (wichtig bei Spielzeug!), sondern hat den riesigen Vorteil einer deutlich längeren Verarbeitungszeit („offene Zeit“) im Vergleich zu normalem, schnell trocknendem Weißleim. Das nimmt den Stress bei der Montage. Ein weiterer Vorteil: Austretender Fischleim lässt sich ganz einfach mit einem feuchten Tuch rückstandslos abwischen, ohne später Flecken bei der Oberflächenbehandlung zu hinterlassen. Während der Leim langsam abbindet, musst Du die Teile jeweils sehr gut mit Zwingen verspannen und unbedingt mit dem Maßband über die Diagonalen die Rechtwinkligkeit prüfen. Sind beide Diagonalen exakt gleich lang, ist das Bett absolut im Winkel.

Schritt 4: Einen Lattenrost konstruieren

Stop – da fällt mir ein, ich habe bei der anfänglichen Planung ja noch etwas vergessen: Als ich das Bettgestell zum ersten Mal ohne Leim trocken zur Probe zusammengesteckt habe, habe ich den inneren Abstand gemessen und die schmalen Leisten für den Lattenrost vorsorglich 2 mm kürzer als die lichte Weite zurechtgeschnitten, damit sie später nicht klemmen. Nachdem ich so einen feinen Miniatur-Lattenrost vorher noch nie gebaut hatte, habe ich nach dem passenden optischen Abstand gesucht und bin nach einigem Ausprobieren bei 10 mm Zwischenraum gelandet.

Das habe ich mal probehalber auf der Werkbank ausgelegt und dabei festgestellt, dass meine drei mitgebrachten Baumarktleisten in der Summe nicht ganz ausgereicht haben. Ich wollte aber wegen einer halben Leiste nicht noch einmal ins Auto steigen und zum Baumarkt fahren. Deshalb habe ich kurzerhand die Multiplex-Seitenteile des Bettes etwas gekürzt. So bin ich dann am Ende mit den drei ganzen Leisten perfekt ausgekommen. Damit entsprechen die Außenmaße meines Bettchens zwar nicht mehr exakt dem goldenen 2:1 Verhältnis, aber es sieht dennoch absolut stimmig aus.

Während der fertige Bettrahmen zum Aushärten des Leims fest zusammengespannt in der Ecke stand, habe ich mich um den Lattenrost gekümmert. Die beiden unteren Auflageleisten (12 x 12 mm) habe ich jeweils 2 mm kürzer als die Innenseite des Bettes zugeschnitten und an den Enden jeweils Ausklinkungen für die inneren Bettpfosten angebracht, sodass die Leisten bündig an den Multiplex-Seitenteilen anliegen können.

Dann habe ich die Mitte einer der Auflageleisten ausgemessen und darauf wiederum mittig die erste Lattenrost-Leiste gelegt. Hier kommt ein Werkstatt-Trick für filigrane Arbeiten zur Anwendung: Ein Tropfen Sekundenkleber auf der Unterseite und dann mit dem Anschlagwinkel rechtwinklig ausgerichtet – das bildet die solide Basis für den gesamten restlichen Lattenrost. Eigentlich wollte ich das nur so machen, um den provisorischen Sitz zu prüfen, aber es hat erstaunlich gut und stabil funktioniert.

Beim Zuschnitt der vielen kleinen Latten für den Lattenrost sind lediglich drei kurze Reststücke mit ca. 3 cm Länge übrig geblieben. Zwei davon habe ich mit einem Tropfen Sekundenkleber zusammengeklebt und dieses Konstrukt dann als 10 mm Abstandshalter zwischen den Latten benutzt: Einfach einen Tropfen Sekundenkleber auf das Ende der zu verlegenden Latte geben. Den Abstandshalter dazwischen klemmen, mit dem Winkel kurz die Rechtwinkligkeit kontrollieren, mit 1 mm Abstand zur Leistenkante auflegen und 2 bis 3 Sekunden festdrücken. Schon sitzt die Leiste erst einmal fest, könnte aber bei einem Fehler noch einmal abgenommen und korrigiert werden.

Warum habe ich die Latten vorerst nur auf einer Seite mit der Auflageleiste verklebt? Ganz einfach: Weil ich den Abstand in der Breite absolut präzise im eingebauten Zustand festlegen will. Nachdem der Fischleim vom Bettrahmen vollständig abgebunden hat, nehme ich die einseitig bestückte Auflageleiste mit den Latten darauf und spanne sie mit Zwingen unten bündig mit dem Seitenteil im Bettrahmen fest. Dann gebe ich jeweils einen Tropfen Sekundenkleber auf die noch losen Enden der mittleren und der beiden äußeren Latten. Nun schiebe ich die zweite Auflageleiste am gegenüberliegenden Seitenteil entlang nach oben, bis diese mit den drei vorbereiteten Latten Kontakt hat und verklebt. So habe ich den Innenabstand des Bettes perfekt und spannungsfrei getroffen, auch wenn das Bett in der Mitte vielleicht einen Millimeter bauchig sein sollte. Die restlichen Latten bekommen nun ebenfalls einen Tropfen Sekundenkleber und halten dann fixiert auf beiden Auflageleisten für den entscheidenden, nächsten Schritt.

Der Sekundenkleber hält zwar fürs Erste hervorragend, ist aber stark spröde und bricht bei dauerhafter Belastung. Nun zeichne ich mir saubere Bohrpunkte auf den Lattenenden an und bohre mit dem 5 mm-Holzbohrer ein Sackloch durch jede Latte hindurch und zu etwa zwei Dritteln tief in die darunterliegenden Auflageleisten. Den 5 mm Rundstab aus dem Baumarkt habe ich zuvor mit der Japansäge in viele kleine 2 cm-Stücke geschnitten. Ich gebe ein wenig Fischleim in das Sackloch und unten um den Holzdübel herum, dann klopfe ich diesen mit einem kleinen Hammer sanft in das Sackloch. Wenn der Leim vollständig abgebunden hat, schneide ich die Überstände der Holzdübel flächenbündig ab und verschleife den kompletten Lattenrost noch einmal sauber. Zuletzt wird der fertige Rost in den Bettrahmen geleimt. Die Holzarbeiten am Puppenbett sind damit erfolgreich abgeschlossen!

Um das Oberflächenfinish mit ökologischen, transparenten Spielzeuglack kümmert sich Elisabeth.

Puppenbett-Matratze und Oberflächenfinish

Natürlich braucht so ein robustes Bett auch noch eine Matratze. Ich hatte noch ein Reststück hochwertigen Schaumstoff zu Hause im Keller. Das habe ich auf die Innenmaße passend zugeschnitten. Leider war das Material mit 5 cm Dicke optisch deutlich zu massiv für das kleine Bett. Die Matratze hätte die Seitenteile fast überragt. Deshalb musste ich die Matratze in der Dicke auf ca. 2,5 cm halbieren, was sich bei Schaumstoff oft als schwierig erweist.

Mein Tipp für den perfekten Schaumstoffzuschnitt: Wer wie ich in seiner Werkstatt keinen heißen, elektrischen Drahtschneider für Schaumstoffe besitzt, der kann auch einfach das Elektromesser aus der heimischen Küche kurz ausleihen. Das elektrische Bratenmesser eignet sich wirklich hervorragend, um Schaumstoffe extrem gerade und sauber zuzuschneiden, ohne dass das Material ausfranst.

Dazu führt man die gegenläufigen Klingen des elektrischen Messers ganz ohne Druck einfach langsam entlang einer seitlich aufgemalten Markierung und erhält fantastisch saubere Schnittergebnisse. Den Trick kenne ich noch von früher: Damals habe ich die Sitzbänke meiner Motorräder oft selber mit neuem Schaumstoff gepolstert und mir extra dafür für ein paar wenige Euro so ein altes Elektromesser auf dem Flohmarkt geholt. Es funktioniert tausendmal besser als jedes scharfe Teppichmesser!

Was die Oberfläche des Holzes angeht: Ich würde Kinderspielzeug wie dieses nicht unbehandelt lassen. Sonst setze ich auf natürliches Leinöl oder Bienenwachs, das tief in die Poren einzieht und das Holz anfeuert. Bei Kinderspielzeug verwende ich lieber speziellen ökologischen Spielzeuglack.

Jetzt muss Elisabeth nur noch etwas schönen Stoff besorgen und passendes Bettzeug nähen. einen provisorischen Bezug für die kleine Matratze habe ich aus einem Stück Spannbettuch schin mal mit Textilkeber zusammengesetzt. Dann kann Alvas Lieblingspuppe endlich standesgemäß in ihr neues, metallfreies Bettchen einziehen. Die Proportionen stimmen, die Holzverbindungen sind absolut solide, und das Bett lässt sich hervorragend im Schrank verstauen. Ich wünsche Dir ganz viel Spaß beim Nachbauen in Deiner eigenen Werkstatt!


 

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