Heute (24.10.2016) erreicht mich ein Anruf von Wolfgang. Er hat noch eine Frage wegen dem Versetzen der Mauer. Ganz nebenbei informiert er mich, dass es heute los geht mit der Renovierung des Ateliers. Ich bin schon sehr gespannt.
Neuigkeiten aus Großschenk
Heute hat Laura eine Freundin besucht und ist auf dem Rückweg mal beim Haus vorbei gefahren. Sie hat mir ein paar Bilder geschickt. Der Kies- und der Sandhaufen vor dem Haus freut mich ganz besonders, denn das ist ein Zeichen dafür, dass es heuer noch los geht. Würde mich sehr freuen, wenn das Atelier noch vor dem Winter ein neues Dach bekommt.
Primul Pas – Erster Arbeitsurlaub
Die Anfahrt
Ich komme Freitag abend von einer Schulung aus Düsseldorf zurück, Elisabeth holt mich vom Flughafen ab. Danach muss ich noch die Tasche neu packen und das Auto beladen. Es ist mal wieder Mitternacht, bis ich ins Bett komme.
Samstag morgen fahren wir los – es ist kurz nach 06:00 Uhr. „Primul Pas – Erster Arbeitsurlaub“ weiterlesen
Kalkfarbe selber mischen
Ich mische meine Kalkfarbe selber. Am Besten eignet sich Sumpfkalk. Den gibt es auch in Rumänien in Säcken zu kaufen (‚var pasta‘ oder ‚var bulgary‘). Ist allerdings die teuerste Variante, weil der mind. mehrere Monate bis hin zu Jahren eingesumpft wird. Je länger der Kalk sumpft, desdo reiner wird er.
Für einen zweieinhalb Jahre gesumpften Kalk zahle ich hier in Deutschland ca. 20€ für 10kg (Stand 2020). In Rumänien habe ich auch schon welchen gekauft, da weiß ich aber den Preis nicht mehr, weil ich noch ne Menge Baustoffe mehr eingekauft habe.
Den Sumpfkalk mische ich dann in einem Eimer mit Wasser an. Mischungsverhältnis fast eins zu ein, etwas mehr Wasser als Kalk, bis er halt eine streichfähige Konsistenz hat.
Wenn er farbig sein soll, mische ich Farbpigmente dazu (kalkechte Pigmente verwenden). Darf aber nicht mehr als 5% sein, sonst kreidet die Farbe später. Also so richtig kräftige Farbtöne krieg ich deshalb auch nicht hin, würde aber eh nicht zum Haus passen.
Das Ganze lasse ich einen Tag ziehen, wobei ich ab und an mal umrühre, damit sich der Kalk nicht absetzt. Auch hier wieder: Je länger die Farbe zieht, um so besser die Qualität.
Weiße Kalkfarbe kann man auch mit der Rolle auftragen, bei farbigen schaut das nicht so schön aus, da benutze ich eine Malerbürste oder einen Pinsel (jeweils mit Naturhaaren). Über kreuz streichen und die Farbe in 3-4 Schichten auftragen. Nach jeder Schicht 24 Stunden trocknen lassen, farbig wird nur die letzte Schicht aufgetragen. Das sieht hinterher am Besten aus.
Nach dem Trocknen kreidet die Farbe ein wenig aus, wenn man darüber wischt. Je langsamer sie trocknet, um so besser. Also nicht unbedingt im Hochsommer streichen, da ‚verbrennt‘ die Farbe. Ideal ist eine Temperatur zwischen 10 und max. 18 Grad Celsius.
Die Farbe härtet nicht aus, weil das Wasser entweicht, sondern durch die Carbonisierung. Dabei holt sich der Kalk Co2 aus der Luft und verbindet sich damit, Er versteinert quasi nach und nach.
Man kann auch etwas Leinöl druntermischen, das hilft z.B., wenn der Untergrund stark saugt (2-3%). Macht die Farbe auch wischfester.
Wenn der Anstrich wischfest sein soll, dann rührt man eine Packung Magerquark (250gr.) in ca. 100 gr. Sumpfkalk ein, bis eine homogene, honigartige Masse entsteht. Das kommt dann zur Fabe dazu, 95% Farbe, 5% von der Masse. Wegen dem Magerquark sollte man die Farbe dann aber nicht allzu lange Aufheben.
Mit trockenem Luftkalk in Säcken habe ich es auch schon probiert. Den habe ich dann auch erstmal für mindestens 24 Stunden eingesumpft, bevor ich in wie oben beschrieben weiterverarbeitet habe. Im Ergebnis nicht ganz so gut wie mit dem lange gesumpften Sumpfkalkmörtel, aber immer noch bei weitem besser als Fertigprodukte.
Wenn ich eine Wand mit Kalkmörtel verputze, dann trage ich 24 Stunden nach dem Verputzen eine Schicht Kalkfarbe auf. Das sorgt für eine schöne, und extrem wirderstandsfähige (harte) Oberfläche.
Kalkfarbe ist ein natürliches Produkt mit vielen Vorteilen. Um diese zu nutzen, muss man sich auf die Eigenschaften des Materials einlassen. Viel Zeit und die richtige Verarbeitungstemperatur sind dabei nach meiner Erfahrung die wichtigsten Grundlagen, um ein sehenswertes und langlebiges Ergebnis zu erzielen.
3 .. 2 .. 1 .. meins!
Heute wird es ernst. Es ist der 19. August 2016. Ein Datum, das mein Leben verändern wird. Um 09:00 Uhr treffen Laura und Urs bei uns in der Pension in Brașov (Kronstadt) ein. Meine diesjährige Motorradgruppe muss heute einen halben Tag auf ihren Guide verzichten – aber aus gutem Grund: Ich kaufe (m)ein Haus. „3 .. 2 .. 1 .. meins!“ weiterlesen
Vorvertrag
Heute ist der 24.07.2016
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3. Treffen im Rosengarten
Heute ist der 22.06.2016
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Besichtigung Cincu
Donnerstag 16.06.2016 um 13:00 Uhr setze ich mich ins Auto, verlasse die Tiefgarage und biege in die Blutenburgstraße ein, die mich auf den mittleren Ring bringt. Elisabeth kann nicht mitkommen, sie hat das ganze Wochenende Nachtdienst.
Wie immer nehme ich die Autobahn über Deggendorf und Passau, dort ist deutlich weniger los als auf der Strecke über Salzburg, wie ich im Radio hören kann.
Was ich gerade mache, ist schon ziemlich verrückt. Mehr als 3.000km werde ich an diesem Wochenende zurücklegen – um letztendlich zwei, drei Stunden den Hof zu besichtigen.
Fliegen hat nicht geklappt, der einzige Flug, den ich für dieses Wochenende bekommen hätte, wäre mit 800 Euro sehr teuer gewesen und mit 20 Stunden Aufenthalt in Wien auch nicht wesentlich schneller gewesen als mit dem Auto.
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Übernachtung Onyx in Fagaras
Ich gehe zum von Hedda beschriebenen Haus und klopfe an die Tür. Ein langer, schlacksiger Mann kommt heraus, begrüßt mich in perfektem Deutsch und stellt sich als Martin vor. Wir sind sofort auf der gleichen Wellenlänge. Er fragt, wie meine Anreise war und bietet mit etwas zu trinken an. Aus dem Nebenhaus kommt eine ältere Frau und stellt sich mir als Margarete vor – es ist die Schweigermutter von Martin. Wir wechseln ein paar Brocken auf Rumänisch, dann überlässt sie uns wieder unserem Thema. Wir reden über den Hof und ich erfahre, dass Martin sich um den Hof kümmert, weil Hedda nur selten vor Ort kommen kann.
Dann übergibt er mir die Schlüssel und überlässt mich meiner Neugier. Zwischen dem Haus und dem Nachbarhaus steht ein eher provisorischer Blechzaun aus Trapezblechen, wie man sie für verlorene Schalung verwendet. Eine schmale Tür und ein zweiflügeliges Tor erlauben den Zugang zum Grundstück.
Ein schmaler Weg ist gemäht, ansonsten steht das Grün im ganzen Grundstück ca. einen halben Meter hoch.
Hinter dem festen Teil des Blechzauns steht der Rest einer Mauer, daneben der von Alexander beschriebene Brunnen. Ich gehe an der Hausmauer entlang hoch, rechts geht es drei Stufen hoch zu einer Art Veranda.
Ans Haus angebaut sehe ich nun auch, was Alexander mit dem ‚Anbau zum abreißen‘ gemeint hat. Hier stehen die Außenmauern eines Anbaus, das Dach fehlt, bzw. ist eingebrochen.


Aber erstmal interessiert mich das Haus.
Mittig auf der Veranda geht links eine Holztür mit Kreuzlattung in den Hof, gegenüber ist die Haustür, braun und wuchtig, davor eine aus Dachlatten zusammengeschraubte Fliegenschutztür. Zur Haustür hoch wiederum zwei Stufen.
Ich öffne die Tür und befinde mich in einem Raum, der wohl mal die Küche war.
Ein Tisch und ein paar Stühle an der Wand, ein roter Teppich auf dem Boden, rechts hinter der Haustür steht allerhand Gerümpel. Geradeaus führt eine weiter Tür ins Wohnzimmer – der größte Raum im Haus. Ein Teppich mit orangem Muster aus den 70ern, rechts ein Schrankbett und ein Sessel, links eine Bettcouch, dahinter ein Einzelbett und vor der gegenüberliegenden Seite ein Sideboard. Links in der Ecke stand wohl mal ein Ofen, jetzt steht ein großer runder Tisch mit Stühlen.
Zurück in die Küche führt eine Tür auf der rechten Seite in einen kleinen, quadratischen Raum. Von da aus führt ein Wanddurchbruch und eine Tür auf der rechten Seite in einen weiteren Raum. Im Wanddurchbruch steht ein sogenannter Stiefelofen. Der wird vom kleinen Raum aus beheizt und der wärmt den anschließenden Raum mit. Den kleinen Raum würde ich als Speisekammer bezeichnen, vielleicht wurde er wegen dem Ofen auch als Küche benutzt. Es liegt ein Lattenrost herum und ein paar Möbel.
Der Raum dahinter ist lang und schmal. Am Dielenboden hat sich der Abdruck eines Bügeleisens eingebrannt, ein in die Wand eingebauter Schrank rechts und eine kleine in die Wand eingemauerte Lade lassen darauf schließen, dass es das Schlafzimmer war. Auch hier ein Bett, eine Kommode, Stühle und viele Bilder in großen Rahmen.
Zurück in der Küche lehnt eine Leiter an der Wand, die hoch in den Dachboden führt. Ich steige hinauf, es ist dunkel, meine Stirnlampe kann nur einen Teil des Raumes ausleuchten. Es ist ein riesiger Raum mit allerhand Gerümpel, Landwirtschaftlichen Werkzeugen und Teilen eines Webstuhls. Ich schätze die Firsthöhe auf 4-5 Meter, man hätte noch einen Zwischenboden einziehen können.
Draußen auf der Veranda geht rechts eine Tür in den verfallenen Anbau. Ein kleiner Raum, in den ich kaum hineinkomme, noch eine aus Bretten grob zusammengenagelte Tür führt in den Anbau, der vollgestopft ist mit unzähligen alte Fenstern und sonstiges Gerümpel.
Ich schlage mich durch das hohe Grün entlang des Anbaus nach oben ins Grundstück. Es ist laut Plan 20m breit und 80m tief und geht leicht bergauf. An der Ecke des Anbaus steht ein Bretterhäusl (Toilette), etwas weiter oben gibt es eine waagrechte Fläche. Hier stand früher mal eine riesige Scheine quer über das ganze Grundstück. Es sind aber nur noch ein paar Fundamentsteine vorhanden.
Hinter dieser Fläche beginnt der Obstgarten mit alten Obstbäumen, alles ziemlich verwildert. Ich kann keine Früchte sehen, denke aber das es hauptsächlich Apfel- und Pflaumenbäume sind.
Bleibt noch der Keller. Der Eingang liegt längsseits in der Mitte des Hauses. Es geht ein paar Stufen runter, die Tür ist so niedrig, dass man sich bücken muss und auch der Keller selber lässt mich nur stehen, wenn ich mich zwischen die mächtigen Eichenbalken des Fußbodens stelle. Der Keller besteht aus drei Räumen, früher waren in einem davon wohl Tiere untergebracht. Ein paar hölzerne Eimer, Eichenbalken, die Sommerfenster (die äußeren Fenster der Kastenfenster werden im Sommer durch Rahmen mit Holzlamellen ersetzt, für mehr Schatten und bessere Belüftung) in einer Ecke, ein paar Eimer. Das war es schon.
Ich lasse den ersten Eindruck erstmal sacken, bevor ich nochmal mit der Kamera durchs Haus gehe und diesmal auch die Bausubstanz etwas genauer anschaue.
Die dicken Eichenbalken im Keller haben Wurmlöcher, hoffentlich nur im Splintholz, die Klopfprobe klingt gut. Im Wohnzimmer sehe ich oben an der Decke an der Außenwand einen Riss im Putz, das dürfte auf das undichte Dach zurückzuführen sein, dass dem hölzernen Ringanker geschadet haben könnte. Oder es ist beim Überdecken und sanieren des Daches passiert, da entsteht auch jede Menge Verkehrslast.
Die vorderen Deckenbalken im Wohnzimmer sind durchgebogen, einer hat an einer Aststelle einen kleinen Riss. Da muss ein Überzug drüber denke ich mir.
In der Speisekammer ist eine Ecke der Decke marode, das ist der Bereich, in dem ich letztes Jahr das Loch im Dach diagnostiziert hatte.
Über der Tür zum Schlafzimmer auch lins und rechts ein Riss im Putz, wo der gemauerte Sturz endet. Im Schlafzimmer der größte Schaden: Ein Riss zwischen der Außenwand und der Trennwand zum Wohnzimmer über die gesamte Höhe. Hier muss von außen ein Maueranker rein.
Der Anbau – von der kleinen Tür aus betrachtet gefällt mir hingegen gut. Man kann Ziegelmauerwerk sehen und gemauerte Stürze. Die Mauern sind mehr als 50cm dick, ich stelle mir vor, innen Sichtmauerwerk zu lassen und beschließe, den Anbau nicht abzureißen, sondern wieder zu ertüchtigen.
Ok, ich habe erstmal genug gesehen, sperre die Blechtür wieder ab, gehe runter zu Martin, um den Schlüssel wieder abzugeben. Der läd mich zum Essen ein. Solange bis seine Frau nach Hause kommt, sitzen wir in seinem Hof bei kühlen Getränken, wo er mir geduldig meine Fragen beantwortet. Monica ruft an, dass es später wird, da macht Martin kurzerhand Spaghetti mit Tomatensoße für uns beide.
Ich erfahre, dass Martin mal mit einem Hilfstransport nach Cincu gekommen ist, sich gleich in die Monica verguckt hat und gar nicht mehr erst zurück gefahren ist. Später kommt Monica dazu und auch mit ihr verstehe ich mich auf Anhieb gut. Sie spricht ebenfalls fließend deutsch. Das ist schon mal ein gutes Zeichen, wenn man Menschen in der Nähe hat, wo die Wellenlänge stimmt.
Es ist schon ziemlich spät, als ich mich verabschiede und zurück nach Fagaras in die Pension fahre. Mir geht viel durch den Kopf, aber ich schlafe dennoch bald ein.
2. Treffen im Rosengarten
Donnerstag, 09.06.2016
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1. Treffen im Rosengarten
Montag, der 09.05.2016
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