Die Trockenmauer aus Feldsteinen

Die hügeligen Landschaften Siebenbürgens sind von einer rauen, natürlichen Schönheit geprägt. Wenn man ein Grundstück in dieser Region besitzt oder bewirtschaftet, steht man an Hanglagen oft vor der Herausforderung, das Erdreich vor dem Abrutschen zu sichern. Betonmauern sind zwar zweckmäßig, fügen sich aber selten harmonisch in das ländliche, historische Bild ein und versiegeln zudem wertvolle Flächen. Eine traditionelle und ökologisch weitaus sinnvollere Alternative ist die Trockenmauer aus Feldsteinen.

In diesem Artikel beschriebe ich, wie ich eine solche Mauer ganz ohne Mörtel oder Beton errichte, meinen Hang dauerhaft sichere und gleichzeitig einen Lebensraum für die lokale Fauna schaffe.

Warum Feldsteine die beste Wahl sind

Feldsteine sind in Siebenbürgen ein altbewährtes und oft leicht verfügbares Baumaterial. Sie fallen bei der landwirtschaftlichen Bearbeitung der Böden an oder lassen sich in ausgetrockneten Flussbetten und an Waldrändern finden. Ich habe mir die Steine gesichert, die beim Abbruch eines alten Hauses im Nachbarort angefallen sind und entsort werden sollten. Indem ich lokale Steine verwende, spare ich weitgehend Transportkosten und sorge dafür, dass sich mein Bauwerk optisch perfekt in die Umgebung integriert.

Ganz nebenbei: Für das Auge bieten die strukturierten Steinoberflächen wunderbare, rustikale Oberflächen, die sich im wechselnden Licht des Tages stetig verändern und viel natürlicher wirken als eine graue Betonfläche.

Ein neues Biotop für die lokale Tierwelt

Eine Trockenmauer ist weit mehr als nur ein Hangschutz. Da bei dieser Bauweise bewusst auf Mörtel verzichtet wird, entstehen zwischen den Feldsteinen unzählige Fugen, Ritzen und kleine Höhlen. Die massiven Steine erwärmen sich tagsüber in der Sonne und geben die gespeicherte Wärme in der kühlen Nacht langsam wieder an die Umgebung ab.

Dieses Mikroklima zieht viele nützliche Tiere an:

  • Reptilien: Zauneidechsen und Blindschleichen nutzen die warmen Steine zum Sonnenbaden und die tiefen, frostsicheren Spalten als sicheres Versteck.
  • Amphibien: In den feuchteren, unteren Bereichen am Fuß der Mauer finden Erdkröten einen idealen Unterschlupf.
  • Insekten: Wildbienen, Hummeln und nützliche Laufkäfer nisten in den Hohlräumen und helfen Dir bei der Bestäubung Deines Gartens sowie bei der natürlichen Schädlingsbekämpfung.

Schritt-für-Schritt Anleitung: So baue ich eine Trockenmauer

Der Bau einer Trockenmauer erfordert etwas körperliche Arbeit und vor allem Geduld, ist aber auch für Laien absolut machbar, wenn man ein paar physikalische Grundregeln beachtet.

Schritt 1: Das Fundament vorbereiten

Auch eine Trockenmauer braucht ein solides Fundament, um im Laufe der Jahre nicht abzusacken. Ich hebe dafür einen Graben aus, der etwa ein Drittel der geplanten Mauerhöhe tief ist. Die Breite sollte an der Basis in etwa der halben Mauerhöhe entsprechen. Diesen Graben fülle ich mit einer Schicht grobem Schotter oder Kies auf und verdichte das Material gut, beispielsweise mit einem Handstampfer.

Wichtig: Hinterfüllung und Drainage

Damit die Mauer bei Frost nicht aufbricht, ist die Hinterfüllung wichtig. Zwischen dem gewachsenen Erdreich des Hangs und der Rückseite der Steinmauer muss eine etwa 15 bis 20 Zentimeter breite Schicht aus Schotter oder grobem Kies eingebaut werden.

Sickerwasser aus dem Hang kann durch diesen Schotter problemlos nach unten oder durch die Steinfugen abfließen, anstatt sich in der Erde hinter den Steinen zu stauen. Würde sich dort Wasser sammeln und im Winter gefrieren, dehnt es sich aus und drückt die Mauer kaputt. Ein Drainagerohr ganz unten im Schotterbett hilft zusätzlich, große Wassermengen nach starken Regenfällen sicher und kontrolliert seitlich abzuleiten, ist aber nicht unbedingt erforderlich, weil der gewachsene Boden an sich entweder genug Wasser aufnimmt, oder nicht einsickern lässt.

Schritt 2: Die Basis legen

Zuerst suche ich mir große und schwere Feldsteine. Diese setze ich liegend direkt auf das verdichtete Schotterbett. Die unterste Reihe trägt das meiste Gewicht und muss absolut stabil liegen. Ich bewege sie in einer leichten Drehbewegung hin und her, so dass sich sich in das Kiesbett formschlüssig einbetten. Die Steine werden dabei ganz leicht in Richtung des Hangs geneigt. Man spricht hier von einem ‚Anlauf‘ (etwa 10 bis 15 Prozent). Das gibt der Mauer später die nötige Stabilität gegen den Erddruck von hinten.

Schritt 3: Die Mauer hochziehen

Nun stapel ich die weiteren Steine auf. Dabei achte ich darauf, sogenannte Kreuzfugen zu vermeiden. Eine vertikale Fuge der unteren Reihe sollte immer von einem massiven Stein der nächsten Reihe überdeckt werden. Kleinere Steinsplitter verwende ich, um wackelige Steine zu unterfüttern und fest zu verkeilen. Jeder Stein muss stabil sitzen, bevor der nächste daraufgelegt wird. In die Fugen und auch als Lagerfuge streue ich zusätzlich etwas Kies (0-8mm). Damit erreiche ich eine höhere Formschlüssigkeit und erhöhe damit die Stabilität.

Mein Tipp: Sortiere die Feldsteine wenn möglich grob nach Größe und Form. Dann musst Du nicht lange nach dem passenden Stück suchen und behältst Deinen Rhythmus bei. Bei mir liegen alle Steine auf einem großen Haufen, das macht es schwieriger. Baue außerdem die Schotter-Hinterfüllung immer Reihe für Reihe parallel zur Mauer mit auf, das verleiht dem Konstrukt schon beim Bau Stabilität. Ich baue bewusst ab und an einen Stein ein, der weit nach hinten herausragt. Den lege ich auf das Schotterbett auf. Wenn später hinter dem Drainagekies wieder Mitterboden aufgefüllt wird, dann wirklen solche Steine wie ein Maueranker und halten die Mauer an Ort und Stelle.

Schritt 4: Die Fugen bepflanzen

Einige Fugen fülle ich mit etwas lehmiger Erde und setze trockenheitsresistente Pflanzen, bzw. Moos ein. Mauerpfeffer, Hauswurz oder Polster-Thymian eignen sich hervorragend. Diese Pflanzen festigen mit ihren Wurzeln das Gefüge im Laufe der Zeit zusätzlich und bieten der Insektenwelt noch mehr Nahrung.

Weitere Informationsquellen

Wenn Du tiefer in die Thematik des naturnahen Gartenbaus und des Mauerbaus eintauchen möchtest, findest Du hier wertvolle Anlaufstellen:

  • Der Naturschutzbund (NABU) bietet umfangreiche Leitfäden zur Bedeutung von Trockenmauern für den Artenschutz: NABU: Trockenmauern im naturnahen Garten.
  • Die Stiftung Naturschutzgeschichte bietet oft historisches Hintergrundwissen zur Bewirtschaftung von Kulturlandschaften, was gerade im Kontext von Siebenbürgen sehr spannend sein kann.
  • Für sehr spezifische praktische Baufragen lohnt sich oft ein Blick auf die Portale landwirtschaftlicher Kammern oder Foren für ökologisches Bauen.


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