Im Januar nutze ich meinen Resturlaub, um mal wieder in Großschenk vorbeizuschauen. Diesmal habe ich den Termin ganz bewusst gewählt. Nicht (nur) wegen des Baufortschritts, sondern wegen eines historischen Ereignisses: An diesem Wochenende findet seit über 25 Jahren zum ersten Mal wieder ein Urzelnlauf statt.
Diesmal nehme ich den Flieger von München nach Sibiu (Hermannstadt) und nehme mir von dort einen Mietwagen. Schon bei der Ankunft merke ich: Der Winter meint es dieses Jahr ernst.
Tradition lebt auf: Der Urzelnlauf
Zum Einen finde ich es toll, dass eine alte sächsische Tradition wieder aufersteht, und möchte deshalb unbedingt dabei sein. Zum Andern ist das die perfekte Gelegenheit, mich in die Gemeinschaft zu integrieren. Wann sonst sind so viele Leute auf der Straße? Es ist ein buntes Treiben, laut und fröhlich – ein starkes Zeichen für die Lebendigkeit von Cincu.

Info: Was sind die Urzeln?
Der Urzelnlauf (sächsisch: Urzelntag) ist ein alter Zunftbrauch der Siebenbürger Sachsen. Maskierte Gestalten (die Urzeln) ziehen mit Kuhglockengeläut, Peitschenknallen und Krapfen durch den Ort, um böse Geister zu vertreiben und den Fasching einzuläuten. Dass dies in Cincu nach einem Vierteljahrhundert Pause wieder stattfindet, ist eine kleine Sensation.
Minus 30 Grad: Der Härtetest für das Haus
Natürlich bin ich auch hier, um nach dem Rechten zu sehen. Der Winter war diesmal extrem kalt, wie schon lange nicht mehr. Wir sprechen von minus 30 Grad und teilweise noch darunter. Das ist nicht nur unangenehm für uns Menschen, das greift auch die Bausubstanz massiv an.

Das Problem zeigt sich vor allem – beziehungsweise eigentlich nur – in dem Bereich, der durch das undichte Dach durchfeuchtet war. Wo Wasser im Mauerwerk ist, da sprengt der Frost. Es ist ein trauriger, aber wichtiger Anblick, um zu verstehen, wo wir im Frühjahr ansetzen müssen.

Der Plan für das Frühjahr
Trotz der Kälte haben Wolfgang und ich das weitere Vorgehen besprochen. Der Fahrplan steht:
- Haupthaus: Heuer im Mai werde ich die Risse im Mauerwerk angehen, die der Frost und die Zeit hinterlassen haben.
- Ehemalige Tischlerei: Wolfgang und seine Truppe bringen dieses Nebengebäude weiter voran. Sobald der Winter vorbei ist, kommen der Ringanker und das neue Dach drauf.
- Boden: Ebenfalls für Mai geplant sind die Bodenplatte und gegebenenfalls auch schon die Zwischenwände.
Es wartet viel Arbeit, aber jetzt wird erst einmal gefeiert – mit den Urzeln und den Nachbarn.


