Geheimtipp Cincu

Cincu, Rumänien: Ein Verstecktes Juwel für Leben und Urlaub

Wenn man an Rumänien denkt, kommen einem oft die majestätischen Karpaten oder das lebendige Bukarest in den Sinn. Doch abseits der ausgetretenen Pfade liegt ein kleines, aber faszinierendes Dorf namens Cincu (der deutsche Name ist Großschenk), das sowohl für dauerhafte Bewohner als auch für Reisende viel zu bieten hat. „Geheimtipp Cincu“ weiterlesen

Sehenswertes in und um Cincu

Cincu (Großschenk) in Siebenbürgen, Rumänien, ist ein charmantes Dorf mit einer faszinierenden Mischung  aus reicher Geschichte, Kultur, Natur und malerischer Umgebung. Ideal für Entdeckungstouren!

Hier sind einige Vorschläge für sehenswerte Orte und Aktivitäten rund um Cincu:


In Cincu selbst

  1. Evangelische Kirchenburg Großschenk
    • Eine beeindruckende gotische Kirchenburg, die zu den größten und besterhaltenen in Siebenbürgen gehört. Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist von einer Wehrmauer umgeben. Führungen geben Einblicke in die Geschichte der Siebenbürger Sachsen.
  2. Kirche „St. Michael“
    • Die orthodoxe Kirche „St. Michael“ in Cincu stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist für ihre gut erhaltenen Fresken und Ikonen bekannt.
  3. Historisches Dorfambiente
    • Das Dorf hat seinen traditionellen Charakter bewahrt, mit alten sächsischen Bauernhäusern und einer ruhigen, ländlichen Atmosphäre. Ein Spaziergang lohnt sich.

In der Nähe von Cincu

  1. Kirchenburgenroute Siebenbürgen
    • Die Region ist berühmt für ihre Kirchenburgen, darunter einige UNESCO-Welterbestätten. Besonders sehenswert sind:
      • Biertan (Birthälm) – eine der größten Kirchenburgen mit reich verzierter Architektur (ca. 40 km).
      • Viscri (Weißkirch) – ein charmantes Dorf mit einer malerischen Kirchenburg (ca. 45 km).
  2. Făgăraș (Fogarasch)
    • Die Stadt Făgăraș liegt etwa 20 km von Cincu entfernt und beherbergt die imposante Zitadelle Făgăraș, eine der größten und am besten erhaltenen Festungen Rumäniens. Sie bietet ein interessantes Museum zur lokalen Geschichte.
  3. Sibiu (Hermannstadt)
    • Ungefähr 65 km von Cincu entfernt liegt die mittelalterliche Stadt Sibiu, ein kulturelles Zentrum Rumäniens mit:
      • Großer Ring (Piața Mare) – zentraler Platz mit beeindruckenden Gebäuden.
      • Lügenbrücke – eine ikonische Metallbrücke mit vielen Geschichten.
      • Brukenthal-Museum – eines der ältesten Museen Osteuropas.
  4. Brașov (Kronstadt)
    • Etwa 70 km entfernt liegt Brașov, eine Stadt voller Geschichte und Sehenswürdigkeiten wie:
      • Schwarze Kirche – ein Wahrzeichen der Stadt.
      • Altstadt – mit engen Gassen, Cafés und schöner Architektur.
      • Tâmpa-Berg – für Wanderer oder eine Seilbahnfahrt mit Blick über die Stadt.

Naturlandschaften

  1. Făgăraș-Gebirge
    • Dieses Gebirge ist ein Paradies für Natur- und Wanderfreunde. Highlights sind:
      • Transfăgărășan-Straße – eine der spektakulärsten Straßen Europas (im Sommer geöffnet).
      • Bâlea-See – ein Gletschersee, umgeben von atemberaubender Berglandschaft.
  2. Törzburg (Bran)
    • Die legendäre Dracula-Burg Bran liegt etwa 80 km entfernt und ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Rumäniens.
  3. Zarnesti-Bärenreservat
      Das Bärenreservat in Zarnesti, etwa eine Stunde von Cincu entfernt, beherbergt gerettete Bären aus schlechten Haltungsbedingungen und bietet Besuchern die Möglichkeit, diese faszinierenden Tiere aus nächster Nähe zu beobachten.
  4. Naturpark Königstein (Piatra Craiului)
    • Ein wunderschöner Nationalpark mit Wanderwegen, Höhlen und beeindruckenden Kalksteinformationen (ca. 60 km).

Kulturelle Erlebnisse

  1. Traditionelle Feste und Märkte
    • Besuche lokale Feste oder Märkte, um die Kultur der Siebenbürger Sachsen und die rumänische Lebensweise kennenzulernen.
  2. Weingüter und Gastronomie
    • Entdecke die kulinarischen Spezialitäten der Region, wie Mici, Sarmale oder den berühmten Transsilvanischen Schnaps.

Dies sind nur einige der touristischen Attraktionen in der Region um Cincu. Es gibt noch viele weitere Orte zu entdecken und zu erkunden, je nach Interessen und Vorlieben.

Die Historie von Großschenk (Cincu)

Großschenk / Cincu: Die geschichtliche Entwicklung und das einzigartige Erbe Siebenbürgens

Lass uns heute gemeinsam einen Blick hinter die Kulissen werfen – genauer gesagt, hinter die imposanten Mauern von Großschenk, oder Cincu, wie der Ort in Rumänien heißt. Ich möchte Dir zeigen, wie dieser Ort zu einem der faszinierenden Kulturdenkmäler in Siebenbürgen wurde.

Du wirst sehen: Das ist keine Touristensache, das ist etwas für Entdecker.

I. Geographische und Verwaltungsgeschichtliche Einordnung

Großschenk liegt nicht zufällig dort, wo es liegt. Die Lage im Zentrum Siebenbürgens ist strategisch und hat die Geschichte des Ortes maßgeblich geprägt.

  • Der Status als „Stuhl“ – eine frühe Autonomie: Cincu war einer der sogenannten „Stühle“ des Königsbodens. Cincu war einer der „Stühle“ des Königsbodens. Der Name Cincu leitet sich vom von der Zahl „Fünf“ (cinci) ab? Das liegt daran, dass Großschenk historisch gesehen als fünfter der sächsischen Verwaltungsbezirke (Stühle) im Königsboden gezählt wurde. Als sächsisches Siedlungsgebiet genoss dieser Stuhl weitreichende Autonomierechte. Siebenbürgen war ein Gebiet, in dem die Bürger ihr eigenes Recht sprachen, ihre Verwaltung regelten und ihre Steuern selbst festlegen durften. Das war die Basis für ihren Wohlstand und ihre Unabhängigkeit.

  • Historisches Drehkreuz: Großschenk war lange Zeit ein lebendiger Zwischenstopp für Postkutschen und Händler. Die wichtige Verkehrsader machte es zu einem Knotenpunkt, wo Nachrichten und Waren aus Ost und West zusammenkamen. Wenn Du heute durch den Ort gehst, kannst Du dir die Hektik der Kuriere und das geschäftige Treiben der Kaufleute vielleicht noch vorstellen.

II. Die Architektonische Entwicklung der Kirchenburg

Die Kirchenburg ist das Highlight und der beste Geschichtslehrer vor Ort. Sie ist der Schlüssel, um Cincu zu verstehen.

  • Vom Kirchlein zur Kathedrale: Die Kirche begann im 13. Jahrhundert bescheiden als romanischer Bau. Mit dem zunehmenden Reichtum der sächsischen Gemeinschaft wuchs sie und wurde im beeindruckenden gotischen Stil erweitert. Du siehst sofort, hier wurde nicht gespart.

  • Die Urzelle: Schutz des Glaubens: Schon früh, ab dem Anfang des 13. Jahrhunderts, wurde dem Westturm der Kirche eine doppelte Rolle zugedacht: Er sollte den Glauben der Gemeinde im übertragenen wie im wörtlichen Sinne schützen. Er wurde von Anfang an als Wehrturm errichtet, mehrfach erhöht und verstärkt.

  • Der Bau der Festung (15. – 16. Jahrhundert): Als die Gefahr der Osmanen-Überfälle zunahm, wurde die Kirche zur mächtigen Festung ausgebaut. Die Entscheidung, die Kirche zur Festung auszubauen, war eine pragmatische Reaktion auf die Gefahr. Zwar gab es wohl schon etwas außerhalb eine einfache Fluchtburg, aber diese hatte sich in kritischen Momenten nicht bewährt. Der Fluchtweg war zu lang und zu gefährlich. Deshalb wurde der Entschluss gefasst, die Kirche, mitten im Dorfkern, zur mächtigen Festung auszubauen. Man zog dicke Ringmauern hoch, errichtete Wehrtürme und rüstete sie mit Schießscharten aus. Im Ernstfall bot die Kirchenburg Schutz vor Feinden und Hunger gleichermaßen.  Man zog dicke Ringmauern hoch und errichtete Basteien und Wehrtürme. Im Ernstfall bot sie Schutz vor Feinden.

    Wusstest du schon? Ursprünglich hatte die romanische Basilika sogar zwei Osttürme geplant oder im Ansatz, die aber späteren Umbauten weichen mussten. Heute dominiert der Westturm mit seinem charakteristischen Helm, den er im 18. Jahrhundert erhielt, als die äußeren Wehranlagen teilweise wieder abgetragen wurden.

  • Ein Stil-Mix der Extraklasse: Lass Dich nicht von den wehrhaften Mauern abschrecken. Im Inneren erwartet Dich eine architektonische Zeitreise: Das Kirchenschiff wirkt heute wie eine Hallenkirche (Umbau 1693). Du findest hier einen faszinierenden Mix: Spätgotisches Gestühl, eine Renaissance-Kanzel, barocke Taufbecken und eine klassizistische Orgel. Das ist kein Museum, das ist gewachsene Geschichte zum Anfassen.

III. Die Soziokulturellen Verschiebungen (20. Jahrhundert bis Heute)

Die jüngere Geschichte ist bewegend, aber auch melancholisch. Sie zeigt, wie sich die Identität dieses Ortes gewandelt hat.

  • Der große Abschied: Nach 1990 setzte die Auswanderung der meisten Siebenbürger Sachsen nach Deutschland ein. Das ist die stille, oft unerzählte Geschichte vieler Dörfer hier. Die jahrhundertelange Präsenz der Gründergemeinschaft ging zu Ende.

  • Ein lebendiges Kulturerbe: Die Wehrkirche steht heute als Symbol der Verwurzelung und wird durch internationale Initiativen und Stiftungen erhalten. Sie ist aber kein reines Museum! Cincu ist heute ein Ort, an dem die verschiedenen Kulturen – Rumänen, Roma, neu Hinzugezogene und die verbliebenen Sachsen – Seite an Seite leben.

    Deshalb solltest Du Cincu besuchen: Du erlebst hier nicht nur Geschichte, sondern den lebendigen Wandel eines Dorfes. Such das Gespräch mit den Einheimischen. Ihre Geschichten über das heutige Leben in Cincu sind genauso wertvoll wie die steinernen Zeugen der Vergangenheit.

IV. Das soziale Geheimrezept: Die Nachbarschaften

Wenn Du durch die Gassen von Cincu spazierst, siehst Du nicht einfach nur Häuser, die nebeneinander stehen. Du siehst das Ergebnis eines genialen sozialen Systems, das lange vor den sozialen Medien oder staatlichen Versicherungen erfunden wurde: die Nachbarschaften.

  • Mehr als nur „Hallo sagen“: In Großschenk war „Nachbarschaft“ keine lockere Bekanntschaft, sondern eine feste Pflicht und ein Privileg. Die Straßen waren in organisierte Abschnitte unterteilt, die wie eine große Familie funktionierten – aber mit strengen Regeln!

  • Einer für alle, alle für einen: Stell dir vor, Du willst ein Haus bauen, heiraten oder hast einen Trauerfall. Du musstest Dich um nichts alleine kümmern. Die Nachbarschaft packte an. Es war eine Solidargemeinschaft, die das Überleben sicherte. Wenn der Brunnen gereinigt werden musste oder einer in Not geriet, war die Hilfe garantiert.

  • Der „Nachbarvater“: An der Spitze stand der gewählte „Nachbarvater“. Er war Streitschlichter, Organisator und Respektsperson in einem. Er sorgte dafür, dass Ordnung herrschte und niemand zurückgelassen wurde.

    Der Spirit heute: Auch wenn die strengen Statuten heute Geschichte sind, spürst du diesen Geist des Zusammenhalts noch immer, wenn du mit den älteren Bewohnern sprichst. Es ist dieses unsichtbare Band, das Cincu zusammenhält.

V. Ein kurioser Kontrast: Cincu und das Militär (Gestern & Heute)

Wenn du in Cincu sitzt und Deinen Kaffee trinkst, kann es passieren, dass sich die idyllische Stille mit dem Brummen schwerer Motoren mischt. Wundere Dich nicht, wenn Du plötzlich Amerikaner, Franzosen oder Bundeswehrsoldaten beim Einkaufen triffst.

  • Wehrhaftigkeit 2.0: Cincu ist heute Standort des „Getica“ National Joint Training Center, eines der größten Truppenübungsplätze Rumäniens und wichtiger NATO-Standort.

  • Eine alte Tradition (Der Kaiser war schon hier): Dieser militärische Schwerpunkt ist kein Zufall der Neuzeit. Schon zur Zeit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie wurde das Gelände um Großschenk (Polygon) als Truppenübungsplatz genutzt. Was heute der NATO dient, diente damals den K.u.K. Truppen. Die Geschichte beißt sich hier quasi in den Schwanz: Von der mittelalterlichen Wehrhaftigkeit der Kirchenburg über die Manöver der Monarchie bis zur High-Tech-Verteidigung der Gegenwart.

  • Der visuelle Gegensatz: Für Dich als Besucher bietet das surreale Szenen. Es ist einer der wenigen Orte, wo du einen modernen Panzer sehen kannst, der an einem Pferdefuhrwerk vorbeifährt, während im Hintergrund die jahrhundertealte Kirchenburg thront. Ein Fluch (Lärm) und Segen (Wirtschaft) zugleich für die Gemeinde.

Dein Besuch: Entschleunigen und Eintauchen in Cincu

Großschenk ist der ideale Ort, um dem hektischen Alltag zu entfliehen – nicht durch Langeweile, sondern durch echtes Entschleunigen. Hier ticken die Uhren noch anders, und das ist genau das, was diesen Flecken Erde so kostbar macht.

Aber Cincu ist mehr als nur Stille. Hier sind drei Gründe, warum sich ein längerer Aufenthalt lohnt:

  • Ein Paradies für Naturliebhaber (und Fotografen!): Cincu liegt mitten im Harbachtal (Hârtibaciu-Hochland), einer Region, die für ihre europaweit einzigartige Biodiversität bekannt ist. Vergiss englischen Rasen. Hier wanderst du durch eine der letzten intakten mittelalterlichen Kulturlandschaften Europas. Im Frühling und Sommer explodieren die Wiesen förmlich vor Wildblumen, Kräutern und seltenen Schmetterlingen. Pack unbedingt Deine Kamera oder das Makro-Objektiv ein!

  • Lebendige Traditionen – Die Urzeln: Wenn Du im Februar hier bist, erlebst Du ein Spektakel, das Gänsehaut macht: Den Brauch des Urzelnlaufens. Mit furchterregenden Masken, knallenden Peitschen und lauten Kuhglocken treiben die maskierten Gestalten den Winter (und böse Geister) aus. Dieser uralte Zunftbrauch ist im Harbachtal tief verwurzelt und ein fantastisches Beispiel dafür, wie sächsische Traditionen heute noch wild und laut gefeiert werden.

  • Das perfekte Basislager für Entdecker: Großschenk liegt strategisch genial, um die verborgenen Schätze der Umgebung zu erkunden:

    • Cincșor (Kleinschenk): Nur einen Katzensprung entfernt. Hier musst Du die wunderschön restaurierten Pfarrhäuser und die alte Schule besuchen – heute stilvolle Gästehäuser und ein Paradebeispiel für gelungene Revitalisierung.

    • Agnita (Agnetheln): Das historische Zentrum des Tals, wo der Urzel-Brauch seinen Höhepunkt findet.

    • Die Fagarascher Berge: An klaren Tagen hast du von den Hügeln um Cincu einen atemberaubenden Blick auf die schneebedeckten Gipfel der Karpaten.

Ob du nun wegen der Wehrgeschichte, der wilden Natur oder einfach für die Ruhe kommst – Cincu wird dich überraschen. Pack Deine Sachen und mach dich auf den Weg. Großschenk wartet darauf, von Dir persönlich entdeckt zu werden! Vielleicht begegnen wir uns ja!


Cincu (Großschenk) auf einen Blick

  • Besonderheit: Kontrast zwischen mittelalterlicher Wehrkirche und modernem NATO-Stützpunkt („Getica“).

  • Architektur: Wehrkirche mit einem Westturm (Glaubenswehr), Stilmix aus Gotik, Renaissance und Barock.

  • Soziales Erbe: Die „Nachbarschaften“ als historisches Solidaritätssystem.

  • Natur & Kultur: Einzigartige Biodiversität im Harbachtal & der Urzel-Brauch im Februar.


Gemeindechronik

  • 1329 Erste urkundliche Erwähnung des Schenker Stuhls.
  • 1339 Erstmalige Nennung Großschenks nach der Gründung des Ortes Kleinschenk (Cincșor) auf der Schenker Gemarkung.
  • 1486 Großschenk erhält das Recht, einen Jahrmarkt zu halten.
  • 1497 Königlich-ungarische Truppen verwüsten den Schenker Stuhl.
  • 1523 Der Ort wird niedergebrannt.
  • 1600 Fliehende Truppen Michaels des Tapferen verwüsten mit Mord und Brandschätzung den Schenker Stuhl.
  • 1660 Im Schenker Stuhl wütet die Pest.
  • 1720 Gründung der Schenker Stuhlslateinschule.
  • 1708 Während der Kurutzenunruhen werden Großschenk und die Kirchenburg geplündert.
  • 1773 Am 31. Mai hält sich Kaiser Joseph II. in Großschenk auf.
  • 1890 Eine Auswanderungswelle nach Amerika setzt ein.
  • 1899 Ein örtlicher Jugendbund wird gegründet.
  • 1914 Ein Waisenhaus für den Kirchenbezirk Großschenk wird gegründet.
  • 1916 Einfall der Rumänischen Armee. Diese erleidet in der „Großen Schlacht“ auf dem Schmielenfeld nördlich des Ortes, heute Poligon genannt, eine vernichtende Niederlage.
  • 1945 Am 13. Januar, der auch als „Schwarzer Tag“ bezeichnet wird, werden 103 Männer und Frauen der Siebenbürger Sachsen in sowjetische Arbeitslager verschleppt.
  • 1962 Unter der kommunistischen Herrschaft werden alle Bauern gezwungen, der Kollektivwirtschaft beizutreten.
  • 1990 Exodus der siebenbürgisch-sächsischen Bevölkerung durch Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland.

Ethnisches Miteinander

Bereits im 19. Jahrhundert lebte in Groß-Schenk eine starke rumänische Minderheit. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges waren die meisten Bewohner jedoch Deutsche. Seit der Volkszählung 1930 sind die Rumänen in der Mehrheit. Insbesondere nach der Revolution von 1989 wanderten die meisten Deutschen aus. Vor allem deshalb ist seit dem Zweiten Weltkrieg die Einwohnerzahl sowohl der Gesamtgemeinde als auch des Dorfes Cincu stark – d. h. um etwa ein Drittel – zurückgegangen.

In der Gesamtgemeinde Cincu bezeichneten sich im Jahr 2002 von damals 1836 Einwohnern 1399 als Rumänen, 280 als Roma, 78 als Deutsche, 71 als Ungarn, 5 als Russen bzw. Lipowaner, einer als Jude und einer als Italiener. Ein weiterer Bewohner gab eine andere, nicht näher bezeichnete Nationalität an. Im Dorf Cincu selbst lebten 2002 insgesamt 1494 Menschen, davon 1110 Rumänen, 255 Zigeuner, 58 Deutsche, 69 Ungarn, 1 Jude und 1 Angehöriger einer anderen Nationalität.

 

Über Fred Fiedler

Fred ist Fernwehgetriebener mit einer tiefen Verbindung zu Siebenbürgen. Was als berufliche Neugier begann, wurde zur Leidenschaft: 2016 kaufte er ein altes sächsisches Haus in Cincu. Seitdem widmet er sich der Herausforderung, den einzigartigen Charakter des Gebäudes mit einer Mischung aus traditionellen Handwerkstechniken und modernen Mitteln zu bewahren und die Tradition vor Ort fortzusetzen. In seinen Berichten teilt er nicht nur historisches Wissen, sondern echte Insider-Erfahrungen aus dem Leben..

3 .. 2 .. 1 .. meins!

Kaufvertrag

Heute wird es ernst. Um 09:00 Uhr treffen Laura und Urs bei uns in der Pension in Brasov ein. Meine diesjährige Motorradgruppe muss einen halben Tag auf ihren Guide verzichten. Urs hat sich angeboten, eine Tour mit der Gruppe zu fahren, worüber ich mich ganz besonders freue. So haben alle etwas davon, denn Urs ist gerne mit uns unterwegs.
Laura und ich steigen ins Auto und machen uns auf den Weg nach Făgăraș. Das Auto ist bis unters Dach vollgepackt mit den Sachen, die wir heute Nachmittag beim Kinderheim in Ghimbav vorbeibringen wollen. Entsprechend vorsichtig bin ich beim Überfahren der Schlaglöcher und Kanten.

Kaum haben wir Brașov verlassen und Ghimbav passiert, schon wird die Straße besser. Die E68 ist ziemlich neu ausgebaut und lässt sich super fahren. Es gibt auch relativ wenig Verkehr. Wir kommen gut voran, während wir uns angeregt unterhalten. Laura freut sich sehr darüber, dass wir quasi Nachbarn werden.

In Făgăraș angekommen finden wir einen Parkplatz in der Nähe der Adresse, die das Navi zeigt. Wir sind früh dran, trotzdem suchen wir erstmal die Kanzlei. Dort, wo das Navi meint, finden wir diese nicht. Laura fragt einen Passanten, der zeigt auf ein Tor, ca. 50m entfernt. Darüber befindet sich das Schild der Kanzlei. Nur wenige Meter entfernt gibt es ein Cafe, ich lade Laura auf einen ebensolchen ein. Wir setzen uns draußen an einen freien Tisch. Wenige Minuten nachdem wir unsere Getränke haben, werden wir von hinten begrüßt. Hedda Wonner und Axel Pantenburg kommen auch gerade an und setzen sich zu uns. Wir unterhalten uns noch ein wenig, bevor wir dann kurz vor 11:00 Uhr aufbrechen zur Kanzlei.

Wir sitzen nur kurz im Warteraum, bevor wir durch das Vorzimmer in die Amtsstube gebeten werden. Dort sitzen Hedda Wonner und ich vor dem großen Schreibtisch, Laura und Hr. Pantenburg sitzen hinter uns – wie Trauzeugen bei einer Hochzeit 😉

Der Übersetzer kommt dazu und meint, er habe die Mail von mir mit den Vertragsentwürfen nicht bekommen. Ich habe sie in gedruckter Form dabei und händige sie ihm aus. Dann warten wir.
Die akademische Viertelstunde ist lange vorbei, Frau Wonner meint, die Wohnung der Notarin wäre genau obendrüber. Ich überlege mal kurz mit dem Besenstiel … 😉
Wir nutzen die Zeit für den Übersetzer. Der kommt herein, liest die deutsche Übersetzung zum Vertrag laut vor und vergleicht ihn mit dem Orginalvertrag auf rumänisch. es passt alles, nur einmal wurde die Maßeinheit qm hinter der Zahl vergessen. Mit seiner Unterschrift und einem Stempel bescheinigt er dann auf einem Protokoll, dass er mir den Vertrag auf deutsch erklärt hat.
Da kommt auch gerade die Notarin herein. Sie hat eine Jacke an und eine Handtasche dabei, die Haare frisch gestylt wie gerade vom Frisör. Das könnte auch der Grund für die Verspätung sein.

Sie spricht mich auf deutsch an, mit Frau Wonner redet sie auf rumänisch. Laura übersetzt mir fast simultan alles, was auf rumänisch gesprochen wird. Vieles verstehe ich – zumindest dem Sinn nach – mittlerweile auch so. Erst werden die Personalien festgestellt, dann der Auszug aus dem Grundbuch besprochen. Dann geht es um den Kaufvertrag. Aus dem Vorzimmer kommt ein dicker Packen Papier. Es sind die Kopien unserer Ausweise, der Steuernummern, des Protokolls vom Übersetzer, des Energieausweises etc. Ich bekomme alles erklärt und muss auf jedem Blatt unterschreiben. Nach mit unterschreibt auch Frau Wonner jedes Blatt und zum Schluss die Notarin. Alles wird per Stempel und Siegel amtlich gemacht und dann zusammengeheftet. Das kommt, zusammen mit dem Orginal-Kaufvertrag in ein Archiv in Bukarest, erklärt man mir.
Nun wenden wir uns dem Kaufvertrag zu. Ich zahle den Restbetrag der Kaufsumme in bar, worauf Frau Wonner den Kaufvertrag unterschreibt. Ich tue es ihr nach und dann die Notarin. Nun bin ich Besitzer der Liegenschaft in Cincu.
Die Notarin gibt mir die Hand und beglückwunscht mich. Sie meint, nun wird es Zeit für mich, richtig rumänisch zu lernen, wenn ich dort leben will. Der Übersetzer fragt, ob er seine Rechnung stellen darf, weil seine Anwesenheit nicht mehr erforderlich ist. Ich frage, was ich schuldig bin. 5% der Kaufsumme meint er. Ich stutze und fange an zu rechnen. Er lacht und meint, das war ein Spaß. 50 Lei beträgt sein Honorar, was ich ihm dann auch gleich aushändige.

Während draußen im Vorzimmer die Gebühren und die Steuer berechnet, sowie der Kaufvertrag fertig gemacht wird, weist mich die Notarin drauf hin, dass ich mich innerhalb von 30 Tagen in Cincu anmelden muss. Ich bin im September wieder hier, antworte ich, das reicht noch aus. Sie meint, wenn ich noch Zeit habe, soll ich es gleich machen. Ich weise auf die Zeit hin (es ist mittlerweile nach 13:00 Uhr) und sage, vermutlich ist keiner mehr da, bis wir hingefahren sind. Daraufhin lässt sich die Notarin die Nummer der Stadtverwaltung von Cincu geben und ruft dort an. Nach ein paar Versuchen kommt sie durch und spricht mit dem Bürgermeister. Sie sagt ihm, dass ein Deutscher hier ist, eine Immobilie gekauft hat und sich noch anmelden will. Daraufhin versichert man ihr, dass jemand da bleibt, bis ich komme.

Ich zahle noch die Gebühren, die Steuer und bekomme einen bon fiscal – eine Quittung. Mehrfach weist man mich darauf hin, dass ich die gut verwahren soll. Die wäre unheimlich wichtig, um nachzuweisen, dass ich bezahlt habe. Dann bekommen beide Parteien je 3 Abschriften des Kaufvertrages ausgehändigt. Das Original geht ins Archiv nach Bukarest. Wir verabschieden uns und machen uns auf den Weg nach Cincu.

Kurz nach Cincșor laufen wir auf ein langsam fahrendes Auto mit Bukarester Nummer auf.  Schnell wird klar, dass es sich um Fr. Wonner und Hr. Pantenburg handelt. Deshalb überholen wir nicht. Laura genießt die Landschaft und meint, ich hätte mir eine wunderschöne Ecke ausgesucht.
In Cincu folgen wir erst der Umgehungsstraße, dann biegen wir nach links in das Zentrum ab. Dort hält Hr. Pantenburg an, Fr. Wonner steigt aus und zeigt auf einen Parkplatz für uns. Sie geht voraus ins Rathaus und die Treppe hoch in den 1. Stock. Sie kennt sich hier aus und geht zielstrebig in das Büro der Sachbearbeiterin. Diese erwartet uns bereits, fragt mich nach dem Kaufvertrag, worauf ich eine der drei Kopien aus meinem Ordner hole.  Sie nimmt das Dokument, drückt einen Stempel drauf, unterschreibt daneben und fügt noch Datum und Uhrzeit dazu. Dann legt sie ihn in eine Ablage und teilt mir mit, dass ich ab sofort als Besitzer gemeldet wäre.

Wieder draußen verabschieden wir uns von den Verkäufern und fahren natürlich erstmal zum Haus. Einen Schlüssel haben wir noch nicht, der Nachbar, der ihn hat, ist noch auf der Arbeit. So bleibt uns nur ein Blick durch die Ritzen des Zauns und der Anblick von außen.

Allzu lange halten wir uns nicht auf, denn wir müssen nach Ghimbav. Für den Nachmittag haben wir uns mit meiner Moppedgruppe im Kinderheim verabredet, wo wir unsere Hilfsgüter übergeben und ein wenig Zeit mit den Kindern und vor allem mit Maja, der Leiterin der Einrichtung verbringen.
Abends gehen wir in Brasov zum essen, obwohl ich eingeladen habe, darf ich die Zeche nicht bezahlen. ich hätte heute schon genug Geld ausgegeben 😉