3 .. 2 .. 1 .. meins!

Heute wird es ernst. Es ist der 19. August 2016. Ein Datum, das mein Leben verändern wird. Um 09:00 Uhr treffen Laura und Urs bei uns in der Pension in Brașov (Kronstadt) ein. Meine diesjährige Motorradgruppe muss heute einen halben Tag auf ihren Guide verzichten – aber aus gutem Grund: Ich kaufe (m)ein Haus.

Urs hat sich netterweise angeboten, die Tour mit der Gruppe zu übernehmen, worüber ich mich riesig freue. So kann ich mich voll auf den heutigen Tag konzentrieren. Laura und ich steigen ins Auto und machen uns auf den Weg nach Făgăraș. Unser Auto ist bis unters Dach vollgepackt mit Hilfsgütern, die wir heute Nachmittag beim Kinderheim in Ghimbav vorbeibringen wollen. Entsprechend vorsichtig manövriere ich über die Schlaglöcher und Kanten.

Auf dem Weg zum Notar: Die Spannung steigt

Kaum haben wir Brașov verlassen, wird die Straße besser. Die E68 ist gut ausgebaut, es herrscht wenig Verkehr, und wir kommen zügig voran. Laura freut sich riesig, dass wir quasi bald Nachbarn werden – ihr Enthusiasmus ist ansteckend.

In Făgăraș angekommen, sind wir viel zu früh. Das Navi führt uns etwas in die Irre, aber ein Passant weist uns den richtigen Weg durch ein großes Tor. Da wir noch Zeit haben, setzen wir uns in ein Café in der Nähe. Wenige Minuten später gesellen sich die Verkäufer, Frau Wonner und Herr Pantenburg, zu uns. Es ist eine seltsame, aber freundliche Atmosphäre – gleich wird der Hof den Besitzer wechseln.

Der Termin: Notare, Dolmetscher und Frisuren

Kurz vor 11:00 Uhr sitzen wir kurz im Warteraum der Kanzlei, bevor wir durch das Vorzimmer in die Amtsstube gebeten werden.
Die Situation hat etwas Feierliches: Frau Wonner und ich vor dem großen Schreibtisch, Laura und Herr Pantenburg hinter uns – fast wie Trauzeugen bei einer Hochzeit.

Der staatlich vereidigte Übersetzer kommt hinzu. Er hat meine Mail mit den Vertragsentwürfen angeblich nicht bekommen. Aber ich bin vorbereitet und habe alles ausgedruckt dabei.
Dann beginnt das Warten.
Die akademische Viertelstunde verstreicht. Frau Wonner scherzt, die Notarin wohne direkt darüber. Ich überlege kurz, ob ich mit dem Besenstiel …

Wir nutzen die Zeit mit dem Übersetzer. Er liest die deutsche Übersetzung des Vertrages laut vor, während er sie mit dem rumänischen Original vergleicht. Alles passt, bis auf eine fehlende Maßeinheit („qm“) hinter einer Zahl. Mit Stempel und Unterschrift bescheinigt er, dass ich alles verstanden habe.

Dann erscheint die Notarin mit Jacke und Handtasche. Eine alte Dame, passend gestylt, Haare wie frisch vom Friseur – das erklärt die Verspätung. Sie wirkt professionell, spricht mich auf Deutsch an und wechselt mit Frau Wonner ins Rumänische. Laura übersetzt mir simultan, auch wenn ich mittlerweile vieles schon dem Sinn nach verstehe.

Info: Hauskauf in Rumänien

Der bürokratische Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Erst werden die Personalien festgestellt, dann der Auszug aus dem Grundbuch besprochen. Dann geht es um den Kaufvertrag. Aus dem Vorzimmer kommt ein dicker Packen Papier. Es wurden Kopien von allem gemacht: Ausweise, Steuernummern, Energieausweis, Protokolle. Jede einzelne Seite muss von allen Parteien unterschrieben werden. Das Original wird im staatlichen Archiv in Bukarest archiviert.

Der Moment der Unterschrift

Nachdem der Papierberg bewältigt ist, zahle ich den Restbetrag der Kaufsumme in bar. Frau Wonner unterschreibt. Ich unterschreibe. Die Notarin unterschreibt. Ab diesem Moment bin ich offiziell Besitzer einer Liegenschaft in Cincu (Großschenk).

Die Notarin gibt mir die Hand und beglückwunscht mich. Sie meint, nun wird es Zeit für mich, richtig rumänisch zu lernen, wenn ich dort leben will.
Der Übersetzer fragt, ob er seine Rechnung stellen darf, weil seine Anwesenheit nicht mehr erforderlich ist.
Ich frage, was ich schuldig bin. „5% der Kaufsumme“, sagt er trocken. Ich stutze und fange an zu rechnen. Er lacht und meint, das war ein Spaß. 50 Lei beträgt sein Honorar, was ich ihm dann auch gleich im doppelten Sinne erleichtert aushändige.

Wettlauf gegen die Zeit: Die Anmeldung in Cincu

Während im Vorzimmer die Gebühren und die Steuern berechnet und die Kaufverträge fertig gemacht werden, weist mich die Notarin darauf hin, dass ich mich innerhalb von 30 Tagen im Rathaus von Cincu anmelden muss. Wenn ich noch Zeit habe, soll ich es gleich machen.
Es ist bereits nach 13:00 Uhr an einem Freitag. „Vermutlich ist keiner mehr da, bis wir dort sind“, gebe ich zu bedenken.

Was dann passiert, ist typisch rumänische Pragmatik: Die Notarin ruft kurzerhand den Bürgermeister von Cincu an. Sie erklärt ihm, dass „ein Deutscher“ da sei, der ein Haus gekauft habe. Daraufhin versichert man ihr, dass jemand da bleibt, bis ich komme.

Ich zahle noch die Gebühren, die Steuer und bekomme einen bon fiscal (der Quittung – extrem wichtig!) und drei beglaubigten Abschriften des Kaufvertrages. Mehrfach weist man mich darauf hin, dass ich die gut verwahren soll. Die Quittung wäre unheimlich wichtig, um nachzuweisen, dass ich bezahlt habe.
Mit dem Papieren in der Tasche fahren wir los.

Kurz nach Cincșor laufen wir auf ein langsam fahrendes Auto mit Bukarester Nummer auf.  Schnell wird uns klar, dass es sich um Fr. Wonner und Hr. Pantenburg handelt. Deshalb überholen wir nicht. Laura genießt die Landschaft und meint, ich hätte mir eine wunderschöne Ecke ausgesucht.

Angekommen in Cincu

In Cincu angekommen, lotst uns Frau Wonner zum Rathaus. Wir eilen in den ersten Stock. Die Sachbearbeiterin erwartet uns tatsächlich und fragt mich nach dem Kaufvertrag, worauf ich eine der drei Kopien aus meinem Ordner hole. Sie prüft den Vertrag, drückt einen Stempel darauf, unterschreibt mit Datum und Uhrzeit. Dann legt sie ihn in eine Ablage und teilt mir mit, dass ich ab sofort als Besitzer gemeldet wäre.
Das war’s. Ich bin gemeldet.

Wieder draußen verabschieden wir uns von den Verkäufern und fahren natürlich sofort zum Haus. Da wir noch keinen Schlüssel haben (den hat ein Nachbar, der noch arbeitet), bleibt uns nur der Blick durch die Ritzen des Blechzauns.
Mein Haus. Mein Hof. Mein Projekt.

Laura unterstützt mich beim Hauskauf
Freunde sind was wunderbares! Danke Laura für Deine Unterstützung!

Viel Zeit zum Träumen bleibt nicht, denn wir müssen weiter nach Ghimbav ins Kinderheim. Für den Nachmittag haben wir uns mit meiner Moppedgruppe im Kinderheim verabredet, wo wir unsere Hilfsgüter übergeben und ein wenig Zeit mit den Kindern und vor allem mit Maja, der Leiterin der Einrichtung verbringen.
Beim Abendessen in Brașov wird gefeiert – auch wenn ich nicht zahlen darf, weil ich „heute schon genug Geld ausgegeben habe“.

Hauskauf Rumänien – Wissenswertes & Tipps

  • Notarzwang: Immobilienkäufe müssen in Rumänien immer notariell beglaubigt werden.
  • Übersetzer: Wenn Du kein Rumänisch sprichst, ist ein autorisierter Dolmetscher Pflicht.
  • Bargeld: Bis 2023 waren Bargeldzahlungen üblich (bis zu einer gewissen Grenze), heute läuft vieles per Überweisung. Informiere Dich über die aktuellen Gesetze!
  • Bon Fiscal: Bewahre jede Quittung auf wie einen Schatz.