So baust Du Dir Deine Urzel-Schelle für das Urzelnlaufen in Cincu

Wer schon immer mal wissen wollte, wie man eine klassische Urzel-Schelle für das traditionelle Urzelnlaufen aus Blech dengelt, ist hier genau richtig.
Hier in Cincu, wenn die Lole beim Fuga Lolelor durch die Gassen ziehen, ist der unverwechselbare Klang der Schellen das Herzstück des Brauchtums.

Ich zeige Dir, wie Du so eine Schelle selber herstellst. Es ist wirklich kein Hexenwerk, Du brauchst ein bisschen Schmalz in den Armen und ein Schweißgerät.
Hier ist mein Plan, wie Du Dir so ein Modell selbst zusammen dengelst.

Was Du an Material benötigst

  • Stahlblech: Nimm am besten 1,5 mm starkes DC01 -> gewalztes Feinblech (das lässt sich von Hand noch gut biegen und treiben).
  • Flachstahl: Ein Reststück (ca. 20 x 3 mm) oder ein Stück Rundstahl für den Bügel oben.
  • Klöppel: Ein geschmiedeter Nagel, eine große Mutter oder ein Stück dicker Rundstahl an einem Draht.
  • Werkzeug: Winkelschleifer, bzw. Blechschere, Hammer, Schraubstock und ein Schweißgerät.

Der Zuschnitt (Die „Schmetterlings-Form“)

Wir reizen das Format voll aus: Ein DIN-A4-Blatt misst 297 x 210 mm. Wenn wir ringsherum 5 mm Rand für den Drucker lassen, bleibt eine Zeichenfläche von 287 x 200 mm. Die fertige Schelle wird damit am Ende stattliche 13 cm hoch. Du kannst Deine Schablone also ganz bequem am Schreibtisch vorzeichnen, ausschneiden und dann einfach auf das Blech übertragen.

Im flachen Zustand sieht das Ganze aus wie ein Doppeltrapez oder ein grober Schmetterling.

Ich habe eine DIN A4-Zeichnung erstellt, die Du einfach herunterladen kannst:

Um das PDF herunterzuladen, einfach auf die Zeichnung klicken

 

Handwerker-Tipp: Bohre die Löcher für den Bügel und die Klöppel-Aufhängung oben in das schmale Mittelstück, bevor du das Blech biegst. Ich schweiße den Aufhänger für den Klöppel auch schon ein, bevor ich das Blech biege. Wenn das Ding erst mal zu ist, kommt man mit der Bohrmaschine nicht mehr vernünftig rein.

Und so wird’s gemacht

  1. Ausschneiden: Drucke die Zeichnung aus, besprühe sie auf der Rückseite mit Sprühkleber und klebe sie auf das Blech. Schneide die aufgezeichnete Form aus dem Blech und entgrate die Kanten.
  2. Ritzen: Um eine gerade und scharfe Kante hinzubekommen nehme ich eine Reißnadel und ein Stück Flacheisen. Ich ritze die Faltkante auf Vorder- und Rückseite des Bleches an, dann lässt es sich leichter und exakter biegen. Wenn die Backen des Schraubstocks zu kurz sind, dann helfen zwei dicke Stücke Flacheisen oder zwei Stücke Winkeleisen. Ich spanne die abzuwinkelnden Teile ein, so habe ich mehr Hebelwirkung beim Biegen und kann mit dem Hammer die Kante schärfen.
  3. Biegen: Spanne das Blech beim Rücken in den Schraubstock. Biege beide Flügel vorsichtig nach unten, bis sie fast parallel stehen. Ein Kantenschutz am Schraubstock hilft hier enorm.
  4. Schweißen: Drück die Seitenkanten zusammen und setz ein paar Schweißpunkte. Wenn alles ordentlich sitzt, schweißt Du die Naht durch und schleifst sie danach mit der Fächerscheibe sauber. Wer CuSI3 hat – das macht eine schöne Naht.
  5. Finish und Klang: Schweiße den gebogenen Flachstahl als Bügel oben drauf und häng den Klöppel im Inneren ein. Mach die fertige Schelle am Ende noch mal ordentlich heiß (bis sie kirschrot glüht). Das nimmt die Spannung aus dem Material und sorgt für einen satten, lauten Klang (Ich mache das im Holzkohlegrill).
  6. Rostschutz (Schwarzbrennen): Lass die glühende Schelle kurz ein wenig abkühlen, bis sie nicht mehr rot leuchtet, aber noch ordentlich heiß ist (ca. 300 Grad). Streiche sie nun zügig mit Leinöl ein. Das Öl qualmt, verbrennt auf der Oberfläche und zieht tief in die Poren ein. So erhält die Schelle eine geniale, mattschwarze Patina und ist perfekt vor Rost geschützt.

Befestigt wird die fertige Urzel-Schelle ganz klassisch: Entweder direkt am Gürtel oder mit einer robusten Schnur um die Hüfte gebunden.

Lust auf eine eigene Schelle, aber keine Werkstatt?
Wenn Du das Urzelnlaufen liebst und unbedingt eine selbstgebaute Schelle haben möchtest, Dir aber das Werkzeug fehlt, dann melde Dich einfach bei mir. Wenn ich gerade vor Ort in Cincu bin und wir ein gemeinsames Zeitfenster finden, stehe ich Dir sehr gerne mit Rat und Tat zur Seite. Dann dengeln und schweißen wir das gute Stück einfach gemeinsam bei mir.

Viel Erfolg und vielleicht bis bald in der Werkstatt!

Wenn Du Deine Schelle fertig hast, würde ich mich freuen wenn Du mir ein Bild schickst.

Die Schelle ist nur eines von mehreren Komponenten des Urzel-Kostüms. Es gehört noch der Anzug dazu, die Maske, eine geflochtene Peitsche und eine Art Klammer aus Holz, in die die Krapfen eingezwickt werden. Wenn Du auch dafür bedarf hast, denn setze Dich mit dem Uwe Boghian in Verbindung.