Mit diesen Beiträgen möchte ich Fundstücke aus meinem Haus dokumentieren, als Erinnerung an die Menschen, die vorher dort gelebt haben und als kleiner Einblick, wie das Leben damals so war.
Ein Konto-Jahresabschluss vom 30.01.1932
Bei dem vorliegenden Dokument handelt es sich um eine Bestätigung eines Rechnungsabschlusses (Kontoauszug) der Prätorialbank A.G. aus dem Jahr 1932. Die Bank hatte ihren Sitz in Groß-Schenk (heute Cincu), einer historisch bedeutenden Gemeinde in Siebenbürgen.

Hier der Text des Briefes:
Prätorialbank A. G. Gross-Schenk.
GROSS-SCHENK, am 30. JAN. 1932
Herrn Gebrüder Wolff Gross-Schenk
Wir beehren uns Ihnen beiliegend den Auszug Ihrer laufenden Rechnung, abgeschlossen am 31. Dez 1931 zu überreichen. Belieben Sie denselben zu prüfen, bei Rechtbefinden den zu unseren Gunsten verbleibenden Betrag mit
Lei 23.460.-
unter gefälliger Anzeige auf neue Rechnung vorzutragen und uns das anliegende Bestätigungsschreiben mit Ihrer Unterschrift versehen baldigst zurückzusenden.
Hochachtungsvoll PRÄTORIALBANK A. G.
Analyse und Kontext
1. Der Betrag und die Währung
Der Saldo beläuft sich auf 23.460 Lei. Der rumänische Leu war zu dieser Zeit die offizielle Währung, da Siebenbürgen nach dem Ersten Weltkrieg (Vertrag von Trianon 1920) Teil des Königreichs Rumänien geworden war.
2. Die Beteiligten
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Die Bank: Die Prätorialbank A.G. war ein lokales Institut in Groß-Schenk, das vorwiegend die deutschsprachige Bevölkerung (Siebenbürger Sachsen) bediente.
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Die Kunden: Die „Gebrüder Wolff“ waren lokale Handwerker in Groß-Schenk. Mein Haus beherbergte deren Tischlerei.
3. Besonderheit der Korrektur
Interessant ist die handschriftliche Änderung im vorgedruckten Text: Das Wort „Ihren“ (Gunsten) wurde gestrichen und durch „unseren“ ersetzt. Das bedeutet, dass die Gebrüder Wolff der Bank zu diesem Zeitpunkt Geld schuldeten (Soll-Saldo), anstatt ein Guthaben zu haben.
4. Historischer Hintergrund
Das Datum (Januar 1932) fällt in die Zeit der Weltwirtschaftskrise, die auch die landwirtschaftlich geprägten Gebiete Siebenbürgens hart traf. Solche Dokumente sind wertvolle Zeugnisse für die lokale Wirtschaftsgeschichte der Region.
5. Die Bedeutung des Namens Prätorialbank und der lokale Kontext
Die Namensgebung war eine bewusste Referenz an die lokale Geschichte: Während das Prätorium bereits seit der Etablierung des Schenker Stuhls im 14. Jahrhundert (urkundlich 1329) das Symbol für Ordnung und Recht in Groß-Schenk war, wurde das Finanzinstitut im Jahr 1884 als „Großschenker Spar- und Vorschußverein“ ins Leben gerufen. Später firmierte sie als Prätorialbank A.G. und nutzte die historische Strahlkraft des Amtssitzes, um ihre eigene Solidität zu unterstreichen.
Da die Prätorialbank laut den Archiven im Jahr 1933 geschlossen oder abgewickelt wurde, ist der vorliegende Jahresabschluss vom Januar 1932 eines der letzten Dokumente aus der Endphase der Bank. Die Gebrüder Wolff waren hier mit über 23.000 Lei im Soll, mitten in der schwersten Phase der Weltwirtschaftskrise, die letztlich wohl auch das Ende dieser regional verwurzelten Bank im Folgejahr 1933 besiegelte.

