Leim und Kleber und wie man sie einsetzt

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Leim und Kleber sind unverzichtbar, wenn sich etwas mit Schrauben und Nägeln nicht verbinden lässt. Je nach Material und Oberfläche kommen unterschiedliche Klebstoffe zum Einsatz. Welcher Kleber für welche Anwendung am besten geeignet ist, versuche ich anhand meiner Erfahrungen zu beschreiben.

Klebstoffe

Klebstoffe sind vielseitig einsetzbar und kommen besonders dort zur Anwendung, wo Schrauben oder Nägel ungeeignet sind. Richtig aufgetragen, sind sie nahezu unsichtbar. „Leim und Kleber und wie man sie einsetzt“ weiterlesen

Baukultur als Mission – Warum Zement hier nichts zu suchen hat

Blick auf die Baustelle der Casa lui Fred. Wir retten ein Gebäude von 1888 mit Lehm, Kalk und Altholz.

Die unsichtbare Zerstörung: Was der vermeintlich stärkere Baustoff mit historischen Mauern anrichtet.

Als ich 2016 das Bauernhaus in Cincu (Großschenk) gekauft habe, war die größte Herausforderung nicht die Statik, sondern eine unsichtbare Gefahr: Die Zement-Falle. Überall in Siebenbürgen sehe ich, wie historische Bausubstanz durch gut gemeinte, aber falsche Sanierung zerstört wird. Vielleicht fehlt einfach das Wissen um die Materialeigenschaften, ich vermute aber eher, es sind die Kosten und die ’schnelle Lösung‘, die zu zementhaltigen Materialien greifen lässt.
Ich habe immer mal wieder Häuser angeschaut, die mit zementhaltigen Materialien repariert wurden. Mein Haus war zwar in einem ziemlich schlechten Zustand, aber eben auch deshalb, weil hier noch niemand Hand angelegt hatte.

Meine Mission für die Casa lui Fred war deshalb von Anfang an klar: Ich möchte das Haus retten und seine ursprünglichen Regeln respektieren. Denn moderne, harte Materialien sind der stille Feind dieses alten Mauerwerks.

Das traditionelle „Weiche System“

Um zu verstehen, warum Zement hier nichts zu suchen hat, muss man die Materialien kennen, die das Haus über Generationen hinweg schützten:

  • Der weiche Stein: Feldbrandziegel. Diese Ziegel wurden bei niedriger Temperatur gebrannt. Das macht sie zwar weniger stabil als moderne Klinker, verleiht ihnen aber eine hohe Porosität. Sie sind weich und flexibel – Eigenschaften, die für das gesamte System entscheidend sind.

  • Die flexible Fuge: Lehm als Mörtel. Die Mauern sind mit Lehm gemauert. Lehm ist hygroskopisch – er kann Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben. Er federt leichte Setzungen des alten Hauses über Jahrzehnte ab.

  • Der atmende Mantel: Kalkputz. Die Mauern sind mit Kalkputz verputzt. Kalk ist der perfekte Schutzschild: Er ist dampfdiffusionsoffen. Er schützt vor Regen, aber wenn Feuchtigkeit von innen oder unten aufsteigt, kann sie durch den Putz als Dampf entweichen (Hydroregulation).

II. Die Physikalische Inkompatibilität: Zement, der stille Zerstörer

Das Problem beginnt, wenn der harte, dichte Zement in dieses weiche System eindringt.

Zement ist nicht diffusionsoffen. Er wirkt wie eine Plastiktüte um die Wand:

  1. Der falsche Feuchtigkeitspfad: Feuchtigkeit, die naturgemäß im Mauerwerk aufsteigt (oder von innen kommt), trifft auf den dichten Zement. Sie kann nicht entweichen.

  2. Die Konzentration: Statt nach außen geleitet zu werden, staut sich die Feuchtigkeit in der nächstbesten weichen Stelle – der Lehmfuge und dem Feldbrandziegel direkt hinter dem Zement.

  3. Die Zerstörung: Bei Frost gefriert das Wasser in den Poren und sprengt das Material. Auch Salze kristallisieren und zermahlen die Bausubstanz von innen heraus. Die Mauer bröselt ab, bis nur noch der harte, aber nutzlose Zementputz übrig bleibt. Das ist der Moment, in dem die Mauern sprichwörtlich das Atmen verlernen.

III. Meine Mission: Die Strategie der Bewahrung

Die Entscheidung für die Sanierung der Casa lui Fred war daher eine Rückkehr zu den Bauprinzipien, die das Haus über 150 Jahre funktional gehalten haben.

  • Ich setze konsequent auf Kalkputze. Der Putz muss immer weicher sein als der Stein darunter – eine Grundregel der Denkmalpflege.

  • Ich stelle die natürliche Hydroregulation des Hauses wieder her, was für ein gesundes, atmendes Raumklima sorgt.

  • Die Renovierung alter Bauernhäuser ist eine Kunst, die Respekt vor dem Material erfordert. Ich beweise, dass der beste Weg zur Erhaltung der Baukultur in Siebenbürgen nicht die moderne Technik, sondern die Weisheit der Altvorderen ist. Denkmalpflege beginnt bei der Materialwahl.

  • Ersparnis durch moderne Materialien – ein Widerspruch?
    Ich versuche, alte Materialien vor Ort zu kaufen, wo immer ich dran komme: Mauerziegel, Bruchsteine, alte Balken, Türen, Dachziegel (Biberschwänze) …
    Aber gleichzeitig habe ich auch ein Zeitproblem und ein schmales Budget, um mein Projekt zu verwirklichen. Deshalb greife ich auch auf moderne Materialien zurück – bewusst und bedacht. Der Fokus liegt darauf, alles alte, was noch vorhanden ist, zu erhalten. Was nicht mehr vorhanden ist, ersetze ich mit modernen Materialien – ich denke, hätten die Altvorderen die Möglichkeit gehabt, wären sie ebenso vorgegangen.
    Als Beispiel nenn ich mal die ehemalige Sommerküche. Eine der Außenmauern war gleichzeitig die Grundstücksmauer, an der das große Tor angeschlagen war. Die ist irgendwann zusammengebrochen, nachdem das Dach undicht war und der Regen über viele Jahre den Lehm aus den Fugen gewaschen hat.
    Von den 4 Mauern steht nur noch eine. Das obere Drittel dieser Mauer ist auch schon sehr marode. Also werde ich den maroden Teil abtragen und die Mauer mit alten Materialien wieder herstellen. Die anderen 3 Mauern werde ich mit großformatigen Ziegel-Hohlblocksteinen aufbauen – inklusive frostsicherem Betonfundament darunter.
    Für die drei Wände brauche ich genau so lange, wie für das obere Drittel der alten Mauer mit Normalformat-Ziegeln. Das Betonfundament sorgt dafür, dass das Hoftor mit seiner großen Windangriffsfläche auch in vielen Jahren noch stabil verankert ist.
    Die drei Wände werden anschließend mit Kalkputz verputzt, so wie das früher auch war, man sieht den Unterschied der Materialien nicht mehr. Die alte Mauer lasse ich unverputzt.Mit meinem Kompromiss aus Originalität und Kostenoptimierung möchte ich ein Beispiel geben, wie man auch mit wenig Geld ein altes Gebäude und dessen Charakter erhalten kann, wenn man sich eine denkmalgerechte Sanierung nicht leisten kann. Vielleicht trägt das dazu bei, dass mehr dieser alten Häuser erhalten werden.

Kalkfarbe selber mischen

Ich mische meine Kalkfarbe selber. Am Besten eignet sich Sumpfkalk. Den gibt es auch in Rumänien in Säcken zu kaufen (‚var pasta‘ oder ‚var bulgary‘). Ist allerdings die teuerste Variante, weil der mind. mehrere Monate bis hin zu Jahren eingesumpft wird. Je länger der Kalk sumpft, desdo reiner wird er.
Für einen zweieinhalb Jahre gesumpften Kalk zahle ich hier in Deutschland ca. 20€ für 10kg (Stand 2020). In Rumänien habe ich auch schon welchen gekauft, da weiß ich aber den Preis nicht mehr, weil ich noch ne Menge Baustoffe mehr eingekauft habe.
Den Sumpfkalk mische ich dann in einem Eimer mit Wasser an. Mischungsverhältnis fast eins zu ein, etwas mehr Wasser als Kalk, bis er halt eine streichfähige Konsistenz hat.
Wenn er farbig sein soll, mische ich Farbpigmente dazu (kalkechte Pigmente verwenden). Darf aber nicht mehr als 5% sein, sonst kreidet die Farbe später. Also so richtig kräftige Farbtöne krieg ich deshalb auch nicht hin, würde aber eh nicht zum Haus passen.
Das Ganze lasse ich einen Tag ziehen, wobei ich ab und an mal umrühre, damit sich der Kalk nicht absetzt. Auch hier wieder: Je länger die Farbe zieht, um so besser die Qualität.
Weiße Kalkfarbe kann man auch mit der Rolle auftragen, bei farbigen schaut das nicht so schön aus, da benutze ich eine Malerbürste oder einen Pinsel (jeweils mit Naturhaaren). Über kreuz streichen und die Farbe in 3-4 Schichten auftragen. Nach jeder Schicht 24 Stunden trocknen lassen, farbig wird nur die letzte Schicht aufgetragen. Das sieht hinterher am Besten aus.

Nach dem Trocknen kreidet die Farbe ein wenig aus, wenn man darüber wischt. Je langsamer sie trocknet, um so besser. Also nicht unbedingt im Hochsommer streichen, da ‚verbrennt‘ die Farbe. Ideal ist eine Temperatur zwischen 10 und max. 18 Grad Celsius.
Die Farbe härtet nicht aus, weil das Wasser entweicht, sondern durch die Carbonisierung. Dabei holt sich der Kalk Co2 aus der Luft und verbindet sich damit, Er versteinert quasi nach und nach.

Man kann auch etwas Leinöl druntermischen, das hilft z.B., wenn der Untergrund stark saugt (2-3%). Macht die Farbe auch wischfester.

Wenn der Anstrich wischfest sein soll, dann rührt man eine Packung Magerquark (250gr.) in ca. 100 gr. Sumpfkalk ein, bis eine homogene, honigartige Masse entsteht. Das kommt dann zur Fabe dazu, 95% Farbe, 5% von der Masse. Wegen dem Magerquark sollte man die Farbe dann aber nicht allzu lange Aufheben.

Mit trockenem Luftkalk in Säcken habe ich es auch schon probiert. Den habe ich dann auch erstmal für mindestens 24 Stunden eingesumpft, bevor ich in wie oben beschrieben weiterverarbeitet habe. Im Ergebnis nicht ganz so gut wie mit dem lange gesumpften Sumpfkalkmörtel, aber immer noch bei weitem besser als Fertigprodukte.

Wenn ich eine Wand mit Kalkmörtel verputze, dann trage ich 24 Stunden nach dem Verputzen eine Schicht Kalkfarbe auf. Das sorgt für eine schöne, und extrem wirderstandsfähige (harte) Oberfläche.

Kalkfarbe ist ein natürliches Produkt mit vielen Vorteilen. Um diese zu nutzen, muss man sich auf die Eigenschaften des Materials einlassen. Viel Zeit und die richtige Verarbeitungstemperatur sind dabei nach meiner Erfahrung die wichtigsten Grundlagen, um ein sehenswertes und langlebiges Ergebnis zu erzielen.